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Arbeit & Sinn

Agentur für "gute Jobs": Weltverbesserer gesucht

Talents4Good vermittelt „Jobs mit gesellschaftlicher Wirkung“. Die Personalberatung will der Social-Entreprenership-Branche mit frischen und fähigen Arbeitskräften auf die Sprünge helfen.

Frau Müller ist Teamleiterin in einem Konzern, der Dinge herstellt, die die Welt nicht zwingend braucht. Herr Meier arbeitet als Controller in einer Firma, die irgendwas mit Medien macht. Beide sind nicht wirklich unglücklich mit ihrer Arbeit – aber so etwas wie Erfüllung spüren sie nicht.

Frau Müller und Herr Meier sind auf der Suche nach einem Job, der ihrem Leben – oder jedenfalls ihrer Erwerbstätigkeit – Sinn gibt. Und damit sind sie nicht allein. „An irgendeinem Punkt des Lebens fragen sich viele, „was mache ich eigentlich?“, sagt Carola von Peinen. „Wie kann ich Spuren hinterlassen?“

Die Antwort darauf könnte ein Job sein, „der gut tut“, so das Credo der Personalvermittler von Talents4Good. Professionalität mit Leidenschaft verbinden – das wäre ein Weg zu mehr Zufriedenheit.

"Talents4Good"-Geschäftsführerin Carola von Peinen

„Talents4Good“-Geschäftsführerin Carola von Peinen

„Wir möchten die Welt zu einem besseren Ort machen“, sagt Talents4Good-Geschäftsführerin Carola von Peinen. Sie hat kein Problem damit, wenn das naiv klingt. Dafür ist die gelernte Wirtschaftswissenschaftlerin, 37, zu pragmatisch. „Das hat nichts mit Sozialromantik zu tun.“ Sie vermittelt einfach Menschen, die nach mehr Sinn suchen, einen Arbeitsplatz, der ihnen Sinn gibt. Bei Unternehmen, NGOs oder Stiftungen, die so genannte „good jobs“ bieten. Arbeit, die „gesellschaftliche Probleme lösen soll“.

Es soll am Ende eine Win-win-Situation sein. Denn der Sektor der Unternehmen, denen soziale Verantwortung wichtiger ist als Rekordumsätze und Aktienkurse, ist größtenteils bekannt. Aber nur wenige wissen, dass diese Unternehmen auch durchaus spannende Karrieremöglichkeiten bieten. Es falle Sozialunternehmen schwer, talentierte Arbeitskräfte zu gewinnen – zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey und Ashoka, einer „Organisation zur Förderung von Social Entrepreneurs“.

An diesem Punkt setzt Talents4Good an. Von Peinen und ihre Kollegen (s. Foto oben) beraten Arbeitgeber, die den gesellschaftlichen Wandel vorantreiben wollen, bei der Stellenbesetzung. Über 30 Mal ist das bis jetzt schon gelungen. Die potentiellen neuen Arbeitnehmer findet Talents4Good eher über Anzeigen in Nischenportalen als in den großen Stellenbörsen. Nachdem zuvor sehr genau geprüft wurde, „wer wird eigentlich wirklich gesucht“? Die Agentur ist die erste Personalvermittlung in Deutschland, die sich ihre Auftraggeber genauer anschaut und nach verschiedenen Kriterien abklopft. Sozial, ökologisch, nachhaltig?

Von Peinen gründete, nachdem sie zuvor neun Jahre bei einem klassischen Personaldienstleister gearbeitet hatte, Ende 2012 mit drei Mitstreitern ihr Unternehmen, wo sie selbst das leben kann, was sie auch anderen vermitteln möchte: einen Job, der sowohl Spaß macht als auch Sinn stiftet. Dazu gehören auch moderne Strukturen und flexible Arbeitszeiten. „Ob wir nun von Leipzig aus arbeiten, aus München oder in working vacation. Das funktioniert tatsächlich. Wir erwarten zudem keine extremen Überstunden. Einen Wettkampf, wer am meisten arbeitet, brauchen wir nicht.“

Immer noch ist der Gedanke weit verbreitet, dass man im sozialen Sektor zwar Arbeit finden kann, jedoch nicht die gleichen Weiterbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten wie in der Privatwirtschaft hat. Dabei bräuchte man, so von Peinen, gerade in der Branche „frische Ideen, die alte Strukturen aufbrechen“. Dennoch sei sie am Ende verwundert, wie viele Bewerber sich für „good jobs“ melden, die bereit wären auf einen Teil ihres gewohnten Gehaltes zu verzichten. „Das war die größte Überraschung für mich.“

Es gefällt Carola von Peinen, dass sie mit Talents4Good kleinen Sozialunternehmen, die zwar in ihrer Branche bekannt sind, aber sonst „kein Image“ haben, eine Sichtbarkeit verschaffen kann. Aber können die das bezahlen? „Wir verlangen von ‚den Kleinen’ weniger Honorar für die Personalvermittlung als von großen Organisationen. Und darüber sprechen wir ganz offen.“ Ohne Transparenz würde es in der Welt der Weltverbesserer nicht funktionieren.

(Carola von Peinen auf XING)

16 Kommentare

Dipl. Soz. David R. Hielscher

18.09.2014

Sinn = intrinsische Motivation = Topleistung. Organisationen wie „Talenst4Good“ sind wichtig für die Gesellschaft und werden immer wichtiger für und mit uns.

Haase

26.09.2014

Nichts als Werbung für eine Personalvermittlung auf sozial getrimmt und billig!
Was soll denn bitteschön bei einer Studie von McKinsey rauskommen? Da lachen ja die Hühner Frau von Peinen ;-) Und was meinen Sie mit „für einen Teil Ihres gewohnten Jobs zu verzichten“? Frau Peinen meint wahrscheinlich, das viele junge Arbeitssuchende Ihr Harz 4 aufstocken wollen oder dem Heimischen Versorgungsgehätschel bei Mama und Papa entfliehen wollen und jenen dafür jede Alternative recht ist… auch für ganz wenig Geld tätig zu werden.

Horst Knappe

26.09.2014

Es gibt so viel zu tun, backen wir es an (und lassen es liegen)

Alexandra

26.09.2014

Könnte mir gut vorstellen so eine Jobvermittlung zu führen, halt menschlich das wäre gut für unsere Region.

Reinhold

26.09.2014

Endlich ein richtiger Ansatz – und keineswegs naiv !
Unsere Gesellschaft braucht dringend Menschen, die mitarbeiten, die „Welt zu verbessern“. Der menschliche Umgang, die Kultur in Unternehmen sind in vielen Bereichen unterste Schublade. Dabei schaden sich die Unternehmen selbst am meisten. Nur Mitarbeiter, die Spaß und Freude an ihrer Arbeit haben, leisten auch effiziente Arbeit und bringen das Unternehmen voran.
Ich versuche seit Jahren, mit Seminaren und Coaching für angehende Führungskräfte mehr Werte, Ethik und Menschlichkeit in die Führungsebene zu bringen. Eine sehr mühsame, aber ich denke für unsere Zukunft sehr wichtige, wenn nicht überlebenswichtige Arbeit.

Pia Tischer

26.09.2014

Wir sind Geschäftspartner von talents4good und arbeiten sehr gerne mit diesem Unternehmen zusammen. Hohe Professionalität und guter Spirit. Ein authentisches und sympathisches UND erfolgreiches Unternehmen,

Linus

26.09.2014

Klingt sehr gut. Ich wünsche Euch viel Erfolg.

Kerbel

26.09.2014

Sehr geehrte Frau von Peinen,
ich habe mich sehr über den Artikel „Agentur für “gute Jobs”: Weltverbesserer gesucht“ gefreut. Das ist in der globale Kapitalismuszeit sehr-sehr nötig, die soiziale Aspekte und Zufriedenheit verstärken, damit die Menschheit nicht ausstibt. Das Geld ist nicht alles!!! Ich arbeite im Moment in einem Konzern, verdiene auch nicht schlecht, aber die letzten 5 Jahren ist die Arbeitsklima sehr verschlechtet worden: mit der Arbeit bin ich zugeschütet, weil die Personalabbau jedes Jahr auf die Agenda steht, von anderer Seite keine Respekt und Anerkennung dafür. Der Vorstand will nur den Umsatz und Aktiengewinn sehen, da ist egal, dass manche Kollegen sehr lange Zeit krank sind. Jedes Jahr nur die Personal-Sparmaßnahmen wichtig sind! Ich habe keine Lust mehr so arbeiten. Ich hätte gerne was anderes auszuprobieren. Ich bin schon seit 2008 im Sozialbereich ehrenamtlich tätig, bin 50+, habe viel Erfahrungen im meinem Leben gesammelt… Haben Sie evtl. was für mich?
Mit freundlichen Grüßen
Irene Kerbel

Peter E. Grund

26.09.2014

Die prozessfähige Anwendung mit cryogenen Gasen ist eine CROSS-OVER-Technologie für neue Geschäftsfelder und Märkte mit der WIN-WIN-Strategie

Gabriele Suren

26.09.2014

Super Idee!
Endlich!

Karin Schwind

26.09.2014

Herzlichen Glückwunsch: eine Idee, die die Welt dringend braucht. Ich wünsche Ihnen einen allzeit guten Weg und viel Erfolg …
Karin Schwind

Adeline

26.09.2014

Die Idee, Beruf und Sozialengagement zu verbinden, finde ich sehr motivationsfördernd. Allerdings bin ich auch der Meinung, dass es Social Entrepreneurs nicht an Mitarbeitern mangelt, weil es zu wenig Jobangebote und Agenturen gibt. Vielmehr ist es leider die eher im Vergleich zu anderen „unethischeren“ Jobs geringe Bezahlung, die talentierte Arbeitskräfte vor Social Entrepreneurs zurückschrecken lässt. Durch den enormen und besonders durch Bologna verstärkten Leistungsdruck im Studium, ist es nachvollziehbar, dass Studenten Geld und Karriere eine höhere Bedeutung beimessen als Ethik im Berufsalltag. Wahrscheinlich bin ich als akademische Ghostwriterin nicht gerade die Top-Anwärterin für Jobs mit gesellschaftlicher Wirkung, allerdings beobachte ich das Phänomen tagtäglich bei meinen Kunden. Leider wird auch eine Agentur für „ethisch korrekte“ Jobs nicht viel an diesem Problem ändern können. Ansetzen müsste man da schon im Studium, wenn nicht sogar schon in der Schule.

Andreas Baumesiter

29.09.2014

Hallo Zusammen,
eine tolle Möglichkeit einen Job zu finden in dem man Tätigkeiten mit nachhaltiger Zufriedenheit von High-Potentials kombiniert. Das war schon lange überfällig.
Gratulation und ein sehr guter Tipp!
Grüße
Andreas Baumeister

Axel Detert

29.09.2014

Hallo, Ihre Initiative finde ich bemerkenswert und sympathisch. Ich organisiere Reisen, die weniger den Tourismus fördern sollen als Begegnung mit (beruflich/inhaltlich) Seinesgleichen im Ausland, also Veranstaltungen zwischen Studienreisen und Kursfahrten für Kurse von Auszubildenden. Solide interkulturelle Erfahrung soll sich auch positiv auf den Alltag zuhause auswirken. Reisen sind eigentlich ein Privileg, aus dem man noch viel mehr machen sollte. Mir fehlen Ansprechpartner und Fortentwickler derartiger Reiseformate mit gesellschaftlicher Bildung. Das betreibe ich fast gemeinnützig, nicht als Job, sondern als Be-ruf(ener) mit eigenen Voraussetzungen. Vielleicht ist dieser Ansatz einen Tip wert? Herzlichen Dank! – Axel Detert

Brigitte Bäumer

29.09.2014

An Carola von Peinen
Hallo,
Ich bin Diplom Textildesignerin und möchte eine Bettwäschekollektion auf den Markt bringen. Bisher habe ich nur entweder in Unternehmen gearbeitet oder Entwürfe für verschiedene Hersteller entworfen, die web- oder drucktechnisch umgesetzt wurden und im Ausland produziert wurden. Somit hatte ich keine Möglichkeit die Arbeitsbedingungen und die technische Umsetzung zu verfolgen. Da mir die Lebens- und Arbeitsbedingungen aber sehr wichtig sind, so fordere ich Schulbildung für Kinder, vor allem für Mädchen und die Einhaltung der Menschenrechte. Wenn ich für ein Vertriebsunternehmen arbeite, sucht sich der Unternehmer den preiswertesten Produzenten, um eine möglicht große Gewinnmarge zu erzielen. Stückzahlen, Produktionsmenge und Endverbraucherpreis stehen schon vorher fest.Können Sie mir weiterhelfen mit Adressen von Textilunternehmen, die diese Philosophie vertreten?
Mit freundlichen Grüßen
Brigitte Bäumer

Diana Fuss

22.12.2014

Hallo Talent4Good Team, eure Grund-Idee und euren Ansatz finde ich klasse. Seit einiger Zeit beobachte ich jedoch nun schon eure Seite. Leider habe ich das Gefühl, dass nicht besonders viele und vielseitige Jobs bei euch ausgeschrieben werden und meistens habe ich die vorgestellten Jobs auch bereits auf anderen Seiten gefunden. Warum ich mich über euren Service dann bewerben sollte, ist mir oft nicht ersichtlich, da man sich oft auch direkt bei der Unternehmen/NGOs bewerben kann. Derzeit ist für mich ein echter Mehrwert eures Services nicht fühlbar, da ich erst mit euch in Kontakt treten kann, wenn ich eine passende Stelle gefunden habe – daran scheitert es aber oft schon (obwohl ich der Meinung bin, dass ich durchaus qualifiziert bin). Ich fände es klasse, wenn man sich bei euch bewerben könnte und mit eurer Erfahrung und eurem Wissen gemeinsam auf Jobsuche gehen könnte und so vielleicht auch die Stellen und Kontakte findet, die nicht in jeder gängigen Stellenbörse für NGOS zu finden sind. Grundsätzlich wie gesagt, finde ich die Idee toll, sehe aber auch noch Service-Potential. Viele Grüße, D. Fuß

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