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Arbeit & Sinn

Porträt: "Ich will etwas rocken können"

Nina Jäcker tauschte ihre Karriere in der Medienbranche gegen die Arbeit in einer Spendeninitiative – und fand ihr berufliches Glück.

Ein toller, spannender Job, nette Kollegen und ein sehr gutes Gehalt. Und doch fehlte irgendetwas. Vielleicht war die Zeit auch einfach reif für etwas Neues. Nina Jäcker hatte ihre Schwester, eine Ärztin, jedenfalls oft um ihren erfüllenden Beruf beneidet. „Ich fand es immer toll, dass sie Menschen direkt helfen kann.“

Ende 2011 stieg Nina Jäcker aus. Weg vom WDR, wo sie als Geschäftsführerin der Mediagroup Licensing die TV- und Radioprogramme des Westdeutschen Rundfunks international vermarktete. Jäcker kündigte mit einem Around-the-World-Ticket in der Tasche, aber ohne sichere Perspektive, wo es beruflich hingehen wird. Erst einmal nach Buenos Aires.

„Ich war das erste Mal für eine lange Zeit allein auf Reisen und nicht mit Familie oder Freunden – und absolut frei. Eine Erfahrung, die ich nur jedem empfehlen kann.“ Allein schon, weil man ohne Reisebegleitung viel offener sei und schneller Menschen kennenlerne.

So ritt Nina Jäcker mit Gauchos im Norden Argentiniens, genoss die Natur Nepals, die Fidschi-Inseln und fuhr am Ende ihrer viereinhalb Monate langen Auszeit von Peking mit der transsibirischen Eisenbahn nach Moskau. Die Mongolei war ihr persönliches Reise-Highlight.

Seit nunmehr zwei Jahren ist die einstige Top-Juristin Geschäftsführerin bei der Spendenbewegung „Deutschland rundet auf“. Eine Initiative, die sich nicht weniger auf die Fahnen geschrieben hat, als mit kleinen Spenden von sehr Vielen der Kinderarmut in Deutschland ein Ende zu setzen (s.Infotext unten). „Als ich Christian Vater traf, den Gründer von ‚Deutschland rundet auf’, und er mir von der Organisation erzählte, wusste ich sofort, da will ich hin.“

„Ich liebe meinen Job über alles“, sagt Nina Jäcker. „Ich gehe morgens gern zur Arbeit und wir sind ein Superteam.“ Alle sind hochmotiviert und „hauen richtig rein“. Sie findet es sehr befriedigend, an einer großen Vision zu arbeiten. Dennoch sieht sie rückblickend ihren Berufsweg als folgerichtig an. Alles hat seine Zeit. „Hätte ich den Job beim WDR nicht gemacht, die Erfahrungen und Kenntnisse nicht gesammelt, könnte ich weniger gut mit den aktuellen Herausforderungen meiner jetzigen Tätigkeit umgehen.“ Nun ist sie bei einem Start-up dabei, und das liegt ihr. „Etwas Aufbauen, das reizt mich“, sagt sie.

Heute arbeitet Nina Jäcker allerdings auch nicht weniger als früher. „Was ich jetzt mache, ist in gewisser Weise noch viel fordernder, denn als Spendenbewegung, die Kinderarmut in Deutschland abschaffen will, haben wir ein großes Ziel.“ Aber sie hat es sich so gewünscht: gestalten können und wichtige Entscheidungen treffen, von denen Kinder, die es gut gebrauchen können, profitieren. 2,8 Millionen Euro wurde schon an Deutschlands Kassen aufgerundet – und damit bekommen 36.350 Kinder eine nachhaltige Chance.

Das liebt die 37-Jährige, nicht nur eine Arbeit, die ihr Sinn gibt: „Ich will etwas rocken können.“

Nina Jäcker auf XING


Info:

DRA_Logo_kleinDie Spendenorganisation „Deutschland rundet auf“ gibt Kunden die Möglichkeit, beim Einkauf an der Kasse „bitte aufrunden“ zu sagen und so bis zu zehn Cent zu spenden für unabhängig geprüfte Spendenprojekte. 14 Partner hat die Initiative bislang; Einzelhändler wie Douglas, Penny oder Goertz haben eine Partnerschaft geschlossen. Ihre Kunden kaufen ein, zahlen – und runden, wenn gewünscht, den Rechnungsbetrag zugunsten der Förderprojekte der Stiftung auf. Die verschiedenen Projekte erhalten von den Spendengeldern je 200 000 bis 300 000 Euro, um weitere Standorte in Deutschland ausbauen zu können.

5 Kommentare

lothar h.

24.09.2014

netter artikel – nur leider ist die ganze organisation wohl nichts anderes als ein – schlechter – werbegag der handelsriesen, die da ein paar cent spenden, wo sie zuvor aktiv zur/ an der verelendung der menschen beigetragen/ verdient haben…
ein nachweis einer effizienz und sinnvollen verwendung der gelder fehlt m.W. noch – anders als z.B. bei caritas und misereor !!!

regulus loew

24.09.2014

TOLL,
das sind die Frauen von Morgen, ohne eine Quotenfrau zu sein.
Ihr Engagement sollte Vorbild sein.
Liebe Nina, weiterhin alles Gute und nochmals ein großes Kompliment.

Kern

26.09.2014

Die Idee finde ich gut.
nur stelle ich die Frage in den Raum:

Die Bauern bekommen ihr Geld
indirekt durch den Verkauf ihrer Produkte in den Einzelhandelsketten.
Sie können teilweise nicht davon leben. Der Staat muss Geld dazugeben.

Viele Kunden haben durch die Lohnpolitik in Deutschland so wenig Geld, dass es vermehrt zu Kinderarmut kommt. Eigentlich sind es nicht die Kinder sondern alle in der Familie die wenig zum Leben haben. Es klingt nur halt schöner.

Warum geht man nicht an die Einzelhandelsketten
Die Landwirte sollten von ihrer Produktion gut leben können und
die Preise für die Milchprodukte sollten wieder auf den Stand von 2009 zurückgefahren werden.

Dies könnte vielleicht auch mithelfen die „Kinderarmut“ zu veringern

Durch „Aufrunden bitte“ an der Kasse wird nicht nur auf die Armut hingewiesen, sondern ein bisschen auch auf die Preispolitik der Supermärkte und Discounter.

Mathe

20.11.2014

2.800.000 € / 36.350 Kinder = 77,03 € (gerundet) pro Kind

Und damit bekommen 36.350 Kinder eine nachhaltige Chance??

Renate Schatz

23.04.2015

Das ist mal wieder ein Projekt unter dem Motto „gut gemeint“…
Ich frage mich: bezahlen hier nicht die Falschen die Rechnung, nämlich die privaten Kunden, und nicht die Konzerne, die riesige Renditen machen, obwohl sie dauernd Überschuss produzieren und Lebensmittel vernichten?
Ich schließe mich dem Rechenbeispiel und der Frage des Kommentators „Mathe“ an: Wem wird da wie und wodurch „nachhaltig“ geholfen???

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