Arbeit & Sinn

Buchtipp: Flucht aus dem Hamsterrad

„Das Escape-Manifest“ ist ein unterhaltsamer Ratgeber für Menschen, die den Frustrationen der Konzernkarrierewege entkommen wollen

„Warum arbeiten so viele Menschen in Jobs, die ihnen nichts bedeuten? Warum verschwenden sie einen Großteil ihres Jobs im grauen Firmenalltag, anstatt sich eine Tätigkeit zu suchen, die sie wirklich anspricht und erfüllt?“ Mikey Howe, Rob Symington und Dom Jackman (Foto oben, v. links) fragen das aus eigener Erfahrung. Sie haben in der großen Finanzwelt als Manager und Investmentbanker gearbeitet, Karriere gemacht in New York und London – und irgendwann gemerkt, dass ihnen das alles, Karriere, Geld und Luxus, nichts brachte. Beim Gespräch mit Freunden und Kollegen stellten sie fest, dass es vielen anderen auch so ging. Deshalb gründeten sie eine Online-Community von und für Menschen, die ihre Großfirmenjobs verlassen wollen, um etwas Befriedigenderes oder Sinnvolleres anzufangen: Mittlerweile, drei Jahre nach dem Start, hat ihr Portal „Escape the City“ weit über 100.000 Mitglieder und ist, wie SPIEGEL Online hübsch formulierte, eine weltweite „virtuelle Selbsthilfegruppe für Konzernflüchtlinge“.

Escape_Manifest

Zusätzlich veröffentlichten die Drei mit dem „Escape Manifest“ ein, nun auch auf Deutsch erschienenes Buch, in dem sie ihre Ratschläge für unzufriedene, frustrierte Arbeitnehmer gesammelt haben. Der Untertitel ist dabei Programm: „Das Leben ist kurz. Steigen Sie aus. Kündigen Sie. Fangen Sie etwas Neues an.“

Mit großen theoretischen Erörterungen halten sich die Autoren dabei nicht lange auf, sie bevorzugen deutlich die Praxis, mit all ihren  Chancen und Risiken. Man solle seinen Ausstieg wie ein Start-up-Unternehmen behandeln, Scheitern als Lernhilfe  inklusive. Zusatzqualifikationen durch Aufbaustudiengänge, die viele Aussteiger sammeln,  seien „nichts anderes als eine Form der Verschleppungstaktik„. Denn auf der Fortbildungsbank lerne man meist nichts „für das richtige Leben“. Und auch Businesspläne, Lieblingsbeschäftigung von Generationen von Gründern, seien zu oft nur Selbstberuhigung, die sich nach drei Monaten ohnehin erledigt habe.

Überhaupt diese leidigen Finanzen.  Die seien, so die Autoren, immer noch der Hauptgrund dafür, warum so viele Menschen das tun, was sie eigentlich gar nicht tun wollen – und davor zurückschrecken, tatsächlich einen echten Neuanfang zu wagen. Hier helfe zunächst einmal ein intensiver Check, wofür man denn eigentlich das ganze Geld brauche.  Und ihr eigener Kassensturz verhalf den Manifest-Verfassern dabei zu erschreckenden  Erkenntnissen:  „Abgesehen von den nötigen Grundausgaben steckten wir unser Geld fast gänzlich in Zerstreuungen.“ Man solle sich deshalb freimachen von existenziellen Ängsten, auch wenn eine Übergangszeit vor dem Ausstieg – noch im sicheren Job – dazu genutzt werden sollte, nicht nur die eigenen Perspektiven auszuloten, sondern auch ein wenig Startkapital für eine eventuelle Durststrecke zu sammeln.

Nicht immer übrigens muss es unbedingt ein Schritt in die Selbstständigkeit sein, die aus frustrierten Lohnabhängigen super happy New Worker macht. Auch ein angestellter Job in einer neuen Branche könne ein befreiender Akt in eigener Sache werden.  Das „Escape-Manifest“ ist ein unterhaltsamer und kluger Ratgeber auf dem Weg zu einem neuen beruflichen Leben. Kein 1:1-Leitfaden zum perfekten Aus-und Umstieg, aber ein inspirierendes, mutmachendes Buch für Sinnsucher, Karriere(ver-)zweifler und alle, die es werden worden.

Buchinfo:

Rob Symington, Dom Jackman und Mikey Howe
„Das Escape-Manifest: Das Leben ist kurz. Steigen Sie aus. Kündigen Sie. Fangen Sie etwas Neues an.“ (Amazon Link)
Übersetzt von Nikolas Bertheau. Erschienen 2014 im Verlag Gabal, 25,60 Euro, 312 Seiten.

8 Kommentare

Gerschmi

25.09.2014

Klingt interessant…

Utku Akkoc

25.09.2014

Interessante Idee, ich würde das einwenig erweitern wollen; Es sollte so ähnlich wie in bei der Bundesliga sein, Mitarbeiter ködern gegen eine Ablösesumme für den Wechselnden, vielmehr ist es ja so, dass die Menschen viele Jahre sich für einen Betrieb opfern, es ändern sich Konzernstrukturen und der Job macht einfach keinen Spaß mehr. Auf der anderen Seite ist man fest eingefahren, da man mittlerweile eine Familie zu versorgen hat und da ist der Schritt leider fast unmöglich, wenn nur eine/r das Geld nach Hause bringt.
Viel Erfolg
Utku Akkoc

Matthias

25.09.2014

SuTa

25.09.2014

…ich bin dabei genau dies zu tun!
zu kündigen, aus meiner Branche auszusteigen und was Neues anzufangen…das Buch werde ich auf jeden Fall lesen.

Christie

25.09.2014

Wer will denn wirklich AUSSTEIGEN ?

F. Peters

26.09.2014

„Vor dem Abschwung – Das letzte große Hurra der Deutschen“ … dieses Statement des „Welt“ Journalisten, auch von „Xing“ empfohlen, bekommt 100te von zustimmenden Jammer-Kommentaren..

Diese Eure wirklich mal sinnvolle, da optimistische Message, bekommt bisher keine Kommentare… Bezeichnend!

Tipp von mir: verkauft Euer Buch lieber an Menschen, bei denen Eure absolut richtige Idee auch auf fruchtbaren Boden fällt! Meines Erachtens leben davon hier in D zu wenige – leider!

Ein Deutscher, der Euren Rat befolgen wird! Danke für den Impuls :)

Tillmann Wegst

26.09.2014

Nur ein Korrekturhinweis, der letzte Satz endet mit „… alle, die es werden worden.“, es müsste aber natürlich „… wollen.“ heißen.

Mit freundlichem Gruß, Tillmann Wegst

Halina Zakkrzewska

29.09.2014

frage ich mich jeden Tag..und habe mich auch mehrere Jahre gefragt.., natürlich – um`s Geld zu verdienen, vielleicht – wie bei meinem Fall nur vorübergehend.., weil irgendwann kommt der Momment der beruflichen Werwirklichung!!! Gut, wenn man Perspektive&Hoffnung hat.., das Schlimmste ist: Wenn man nicht die leiseste Ahnung hat, was man arbeiten möchte – wie die Generation der Schüler empfindet /z.B. meine eigenen Kinder!!!/, so dachte ich, es ist deshalb, weil ich keine gebürtige Deutsche bin und selber „orientierungslos“ erscheinen mag. Aber die alle /viele/ Anderen kämpfen mit ähnlichen Fragen,deshalb schlage ich meine Hilfe im Form eines Projektes vor/Erziehungs-Bildungs- Massnahmen, die stärken/, dass man statt reparieren – richtig bauen kann! Bildungsprogramme sollte man JETZT ändern, sodass die Inhälte keine Verwirrung verursachen, sondern eine wertvolle Basis für den weiteren Lebensweg erschaffen. Ich wünsche mir, dass diese Idee sich durchsetzen kann – dazu brauche ich mehrere Stimmen, die mich dabei unterstützen können. Sie machen mir etwas Mut! Danke für Ihre Stimme!