Familie & Beruf

Service "Familie & Beruf" (I): Die wichtigsten Fragen zur Elternzeit

Update, 17.02.2015: Anlässlich unseres aktuellen Monatsthemas „Arbeitsplatz Deutschland“ haben wir die deutsche Rechtslage noch einmal gecheckt – und bieten im Folgenden topaktuelle Tipps rund um das Thema Elternzeit.

Der Trend zur Elternzeit ist eindeutig: Zwar beantragen weiterhin mehr Frauen eine Auszeit nach der Geburt des Kindes. Doch viele Väter entscheiden sich inzwischen ebenfalls dafür, eine längere Elternzeit zu nehmen – mittlerweile ist es knapp ein Drittel aller jungen Väter. Vor drei Jahren lag diese Zahl noch fast sechs Prozent niedriger. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Welche Voraussetzungen müssen für die Elternzeit erfüllt sein?

In Deutschland haben alle Arbeitnehmer Anspruch auf Elternzeit, auch Auszubildende und in Heimarbeit beschäftigte Personen. Arbeitslose, Schüler, Studenten und Praktikanten haben keinen Anspruch auf Elternzeit, weil sie kein Arbeitsverhältnis haben. Beamte, Richter oder Soldaten gelten zwar nicht als Arbeitnehmer, weil sie in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis stehen, aber auch sie können Elternzeit beantragen. Ihre Ansprüche sind nicht im Bundeselterngeldgesetz, sondern in speziellen Rechtsverordnungen geregelt.

Wann und wie lange kann man Elternzeit in Anspruch nehmen?

Die Elternzeit kann mit der Geburt des Kindes bzw. im Anschluss an die Mutterschutzfrist beginnen und ist auf maximal 3 Jahre begrenzt. Innerhalb dieses Zeitraumes von drei Jahren können die Eltern können Beginn und Ende ihrer Elternzeit frei wählen. Wenn Sie die Elternzeit direkt nach der Geburt in Anspruch nehmen wollen, bis Ihr Kind das dritte Lebensjahr vollendet hat, brauchen Sie dafür nicht die Zustimmung Ihres Arbeitgebers. Es ist aber auch möglich, zunächst nur einen Teil der Elternzeit zu nehmen und bis zu 12 Monate aufzusparen, die man dann zu einem frei gewählten Zeitpunkt, spätestens bis zum 8. Lebensjahres des Kindes, nehmen kann. Voraussetzung ist jedoch, dass der Arbeitgeber zustimmt.

Müssen alle Zeiträume der geplanten Elternzeit von Anfang an verbindlich festgelegt werden?

Wenn Sie Ihre Elternzeit anmelden, müssen Sie verbindlich erklären, wann genau Sie bis zum zweiten Geburtstag Ihres Kindes die Elternzeit nehmen wollen. Dieser Zeitraum kann grundsätzlich nur dann geändert werden, wenn der Arbeitgeber zustimmt. Wenn die 2 Jahre Elternzeit abgelaufen sind und Sie das dritte Jahr direkt im Anschluss nehmen möchten, muss der Arbeitgeber der Verlängerung der Elternzeit zustimmen. Sie müssen ihn jedoch dann spätestens 7 Wochen vor Ablauf der zweijährigen Elternzeit informiert haben, dass Sie die Elternzeit verlängern wollen.

Wie genau muss die Elternzeit beim Arbeitgeber angekündigt werden?

Spätestens 7 Wochen, bevor Sie die Elternzeit beginnen wollen, müssen Sie Ihren Arbeitgeber schriftlich darüber informieren. Auch wenn man diese Fristen versäumt hat, kann man noch Elternzeit beantragen. Die Elternzeit kann dann aber frühestens nach 7 Wochen beginnen, nachdem Sie Ihre Erklärung bei Ihrem Arbeitgeber eingereicht haben. Versenden Sie Ihre Erklärung also so, dass Sie später den Eingang der Erklärung beim Arbeitgeber nachweisen können, am besten per Einschreiben.

Weitere Bedingungen für Elternzeit

Ob Sie einen Anspruch auf Elternzeit haben, hängt unter anderem auch von Ihrem Verhältnis zu dem Kind ab, für das Sie die Elternzeit beantragen. Sie haben auf jeden Fall immer dann Anspruch auf Elternzeit, wenn Sie die leiblichen Eltern sind. Achtung: Die Person, die das Elterngeld erhält, muss mit dem Kind in einem gemeinsamen Haushalt leben und das Kind selbst betreuen und erziehen. Auch Adoptiveltern haben Anspruch auf Elternzeit. Wenn ein Härtefall vorliegt, z.B. bei schwerer Erkrankung der Eltern, können auch Verwandte bis dritten Grades Elternzeit beanspruchen. Dies gilt auch für Adoptionspflege und Vollzeitpflege.

Kann man während der Elternzeit auch in Teilzeit weiterarbeiten?

Ja, auch während der Elternzeit dürfen Sie arbeiten – wöchentlich bis zu 30 Stunden. Bei Ihrem bisherigen Arbeitgeber, bei einem anderen Arbeitgeber oder auch in selbstständiger Tätigkeit. Für letztere Fälle benötigen Sie allerdings die Zustimmung des Arbeitgebers, bei dem Sie die Elternzeit angemeldet haben. Während der Elternzeit können Sie Ihre bisherige (Vollzeit-) Tätigkeit auf eine Teilzeitbeschäftigung zwischen 15 und 30 Wochenstunden für mindestens 2 Monate verringern. Voraussetzungen dafür sind, dass Ihr Arbeitgeber mehr als 15 Arbeitnehmer beschäftigt, ihr Arbeitsverhältnis länger als sechs Monate bestanden hat und keine betrieblichen Gründe entgegen stehen.

Gibt es während der Elternzeit einen gesetzlichen Anspruch auf Teilzeitbeschäftigung?

Wenn Sie während der Elternzeit in Teilzeit weiter arbeiten möchten, müssen Sie versuchen, sich mit Ihrem Arbeitgeber über den Teilzeitwunsch einigen. Wenn es zu keiner Einigung kommt, gilt Ihr gesetzlicher Anspruch auf Teilzeitarbeit. Stimmt Ihr Arbeitgeber dann nicht innerhalb von 4 Wochen der Teilzeitarbeit zu, können Sie vor dem Arbeitsgericht dagegen klagen.

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