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Familie & Beruf

Service "Familie & Beruf" (III): Finanzielle Hilfen für Familien

Um die vor allem in der ersten Zeit nach einer Geburt oft angespannte Budgetsituation junger Eltern zu entlasten, gibt es eine ganze Reihe von finanziellen Unterstützungsleistungen des Staates. Diese Gelder stehen Familien zu:

Betreuungsgeld

Die neueste Leistung für Familien ist das Betreuungsgeld. Damit soll Eltern mehr Wahlfreiheit gelassen werden. Wer für sein nach dem 31. Juli 2012 geborenes Kind keine frühkindliche Betreuung bei einer öffentlich finanzierten Tagesmutter oder einer ebensolchen Krippe in Anspruch nimmt, bekommt im Anschluss an das Elterngeld – längstens bis zum dritten Geburtstag des Kindes – monatlich 100 Euro.

Das Betreuungsgeld muss nicht zusätzlich versteuert werden. Ab August 2014 sind es sogar 150 Euro, wobei sich Erwerbstätigkeit und Betreuungsgeld nicht ausschließen. Wer Zwillinge oder mehrere Kinder mit wenig Altersabstand hat, kann für jedes dieser Kinder das Betreuungsgeld beantragen. Genauso wie Eltern, die ihr Kind privat betreuen lassen. In Zweifelsfällen gibt das zuständige Jugendamt Auskunft. Vorsicht: Auf Arbeitslosengeld II, auf Sozialhilfe und Kinderzuschlag wird das Betreuungsgeld angerechnet. Langfristig soll es möglich sein, die staatliche Unterstützung in Bildungssparen beziehungsweise Altersvorsorge zu investieren und dafür Begünstigungen zu erhalten. Für Alleinerziehende gelten übrigens die gleichen Voraussetzungen wie für Elternpaare.

Elterngeld

Indem es zumindest einen Teil des entfallenden Gehaltes auffängt, soll das Elterngeld es Müttern und Vätern einfacher machen, im ersten Lebensjahr ganz für ihr Baby da zu sein. Elterngeld erhalten – abgesehen von einigen wenigen Ausnahmen in sehr hohen Einkommensklassen – alle, die nach der Geburt ihr Kind selbst betreuen und zusätzlich nicht mehr als 30 Stunden in der Woche arbeiten. Also auch Hausfrauen oder Studenten. Mehrkindfamilien erhalten einen Geschwisterbonus, beziehungsweise einen Zuschlag bei Mehrlingsgeburten. Das Elterngeld wird für maximal 14 Monate gezahlt, der Zeitraum kann relativ frei aufgeteilt werden.

Berechnet wird die Höhe des Elterngeldes anhand des Erwerbseinkommens, das der betreuende Elternteil vor der Geburt des Kindes hatte. Da diese Berechnungen teilweise sehr kompliziert sind, gibt es seit dem 1. Januar 2013 Vereinfachungen in Form von Pauschalen. Hiervon profitieren vor allem Selbstständige. Ausgezahlt werden wenigstens 300 Euro und höchstens 1800 Euro im Monat. Achtung: Das Elterngeld wird zwar steuerfrei ausgezahlt, es unterliegt aber dem sogenannten Progressionsvorbehalt, erhöht also die Steuerlast auf das übrige Einkommen im Jahr – bei zusammen veranlagten Eltern gilt das also auch für das Einkommen des Partners.

Das Elterngeld ist eine Entgeltersatzleistung und muss nach der Geburt beantragt werden. Nicht direkt, aber relativ bald, denn rückwirkende Zahlungen werden nur für die letzten drei Lebensmonate vor Beginn des Lebensmonats geleistet, in dem der Antrag bei der Elterngeldstelle eingegangen ist.

Kindergeld

Das Kindergeld steht jedem zu – einkommensunabhängig. Die Beträge müssen nicht mehr versteuert werden und sind nach Anzahl der Kinder gestaffelt. Für das erste und zweite Kind werden 184 Euro gezahlt, für das dritte 190 und für das vierte und jedes weitere Kind zahlt der Staat 215 Euro pro Monat dazu, um die Grundversorgung sicherstellen.

Das Kindergeld, das man direkt nach der Geburt eines Kindes bei der zuständigen Familienkasse der Bundesagentur für Arbeit beantragt, steht jeder Familie zu. Die Zahlung erfolgt bis zum 18. Lebensjahr. Ist der junge Erwachsene zu diesem Zeitpunkt arbeitslos, zahlt der Staat bis zum 21. Lebensjahr. Befindet er sich noch in der Ausbildung oder verdient zu wenig, dann verlängert sich der Zeitraum bis zum 25. Lebensjahr. Auch Eltern von Volljährigen, die am Bundesfreiwilligendienst oder dem Internationalen Jugendfreiwilligendienst teilnehmen, erhalten die Leistung bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres ihres Kindes.

Steuervereinfachungsgesetz

Der Gesetzgeber hat sich bemüht, vor allem Familien steuerlich und bürokratisch zu entlasten und dafür das Steuervereinfachungsgesetz beschlossen. Das beinhaltet unter anderem, dass seit dem Jahr 2012 für volljährige Kinder das Kindergeld unabhängig von der Höhe der eigenen Einkünfte gewährt wird. Auch dann also, wenn der junge Erwachsene in der Ausbildung mehr verdient als die ursprünglich angesetzten 8004 Euro an jährlichen Einkünften und Bezügen.

Betreuungskosten

Die größte Steuervereinfachung ist, dass Kosten für Kinderbetreuung – und zwar unabhängig von der Erwerbstätigkeit der Eltern – leichter abgesetzt werden können. So kommen alle Eltern in den Genuss dieser steuerlichen Vorteile. Zwei Drittel der Betreuungskosten, höchstens 4000 Euro je Kind, sind als Sonderausgaben abzugsfähig beziehungsweise als Freibetrag beim Lohnsteuerabzug zu berücksichtigen. Wobei Betreuungskosten Aufwendungen für Tagesmutter, Krippe, Kindergarten, Kita oder Hort sind und nicht etwa die Kosten, die durch nachmittäglichen Musik- oder Sportunterricht entstehen.

Damit sich Familie und Beruf besser vereinbaren lassen, honoriert der Staat Maßnahmen, mit denen Arbeitgeber die Unterbringung noch nicht schulpflichtiger Kinder unterstützen. Meistens entscheidet man sich für einen Zuschuss zu oder gar für die Erstattung der Kindergartenkosten beziehungsweise der Kosten für eine Tagesmutter. Dieser Betreuungszuschuss ist steuer- und sozialversicherungsfrei und kann auch vom Unternehmen gewinnmindernd genutzt werden.

Kinderfreibetrag

Wie das Kindergeld auch ist der Kinderfreibetrag eine steuerliche Begünstigung für Eltern. Allerdings gilt entweder-oder: Das Finanzamt entscheidet, welche der beiden Alternativen für die Familie günstiger ist, wobei der Kinderfreibetrag eine Variante für die Besserverdienenden ist. Er soll den Grundfreibetrag erhöhen, den jeder einkommenssteuerpflichtige Erwachsene angerechnet bekommt und der das Existenzminimum sichern soll. Seit dem 1. Januar 2014 beträgt der Kinderfreibetrag 7080 Euro pro Kind.

Kinderzuschlag

Um Familien, die sehr wenig verdienen, vor dem Abrutschen in die Armut zu schützen, gibt es den Kinderzuschlag, der bis zu 140 Euro pro Monat und Kind ausmacht. Mit dieser Leistung soll honoriert werden, dass die Eltern aktiv für den Lebensunterhalt sorgen. Der Kinderzuschlag muss bei der Familienkasse der Bundesagentur für Arbeit beantragt werden und wird gemeinsam mit dem Kindergeld ausgezahlt.

Er steht Eltern, Pflege- und Stiefeltern dann zu, wenn sie zwar den eigenen Lebensunterhalt decken könnten, dann aber nicht mehr genug für die im Haushalt lebenden Kinder bleibt – die übrigens unverheiratet und unter 25 Jahren sein müssen. Die Mindesteinkommensgrenzen liegen bei 900 Euro für Paare und bei 600 Euro im Monat für Alleinerziehende. Wer darunter liegt, kann seinen Lebensunterhalt nicht mehr selbst bestreiten, bekommt Sozialleistungen und hat keinen Anspruch auf diesen Zuschlag.

Leistungen für Bildung und Teilhabe

Wer Anspruch auf den Kinderzuschlag hat, kann auch Leistungen für Bildung und Teilhabe erhalten. Das heißt für Schulausstattung, öffentliche Verkehrsmittel, Ausflüge mit dem Kindergarten oder der Schule, Klassenfahrten oder Lernförderung sowie Zuschüsse zu Mittagsverpflegung und Sportverein. Auch hiermit soll Kinderarmut und Benachteiligung verhindert werden. Genaue Auskünfte über die Leistungen, die sowohl als Geld- als auch als Sachleistungen vergeben werden, sowie entsprechende Antragsvordrucke erhält man bei den Gemeinden, den Landkreisen oder den Stadtverwaltungen.

Entlastungsbeitrag und Unterhaltsvorschuss für Alleinerziehende

Alleinstehende Steuerpflichtige, zu deren Haushalt mindestens ein Kind gehört, können steuerlich einen sogenannten Entlastungsbetrag in Höhe von 1308 Euro pro Jahr beziehungsweise 109 Euro pro Monat geltend machen. Alleinerziehende mit Steuerklasse II erhalten diese steuerliche Entlastung bereits während des laufenden Jahres dadurch, dass ihnen weniger vom Lohn abgezogen wird. Aber auch hier gibt es Besonderheiten: Zum Beispiel ist jemand schon dann vor dem Gesetz nicht mehr alleinstehend und damit auch nicht alleinerziehend, wenn ein weiteres volljähriges Kind, für das kein Kindergeld mehr bezogen wird, noch mit in der Haushaltsgemeinschaft lebt.

Wohngeld

Der Sinn des Wohngelds ist es, angemessenes und familiengerechtes Wohnen zu ermöglichen. Es wird entweder als Mietzuschuss oder als Lastenzuschuss gewährt. Um Anspruch auf die Leistung zu haben, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Ob und in welcher Höhe das Wohngeld ausgezahlt wird, hängt von der Höhe der finanziellen Belastung, der Höhe des Einkommens und von der Anzahl der zu berücksichtigenden Haushaltsmitglieder ab.

3 Kommentare

soppa

18.08.2014

interssant

Gerd Brünig

20.02.2015

Für alle Hessinnen und Hessen gibt es übrigens eine zentrale Website des Sozialministeriums, die rund um die finanziellen Hilfen informiert und die entsprechenden Formulare zum Download bereithält: http://www.familienatlas.de

Lars Rabeler

06.09.2016

Eine Ergänzung zu den Leistungen für Bildung und Teilhabe: Es geht nicht nur um den Kinderzuschlag – auch Wohngeld ist Indikator für Anspruch auf BuT-Leistungen.
Einfach ausgedrückt: Wer als Familie ALGII, Sozialgeld oder Sozialhilfe bezieht, kann Anspruch haben – In einigen Fällen rutscht eine Familie auch durch die notwendige Lernförderung in den Anspruchsbereich. Eine Nachfrage beim Amt gibt Klarheit.

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