Familie & Beruf

"Notfallmamas" - Mütter für gewisse Stunden

Mit ihrer Agentur „Notfallmamas“ hilft die Hamburgerin Angela Schmidt berufstätigen Eltern, die kurzfristig eine Betreuung für ihr Kind suchen.

Ein entscheidender Termin steht an, ein wichtiges Meeting oder ein Treffen mit dem neuen Kunden – und das Kind hat immer noch Fieber. „Das ist für viele Eltern der Super-GAU“, sagt Angela Schmidt Das hatte sie selbst bitter erfahren müssen, gleich nach Ende ihrer Elternzeit. Keine Großmutter oder -vater vor Ort, der Mann auf Dienstreise und die heute viereinhalbjährige Tochter noch nicht wieder gesund. Und nun?

„Ich habe kurzfristig einfach keine Hilfe finden können“, sagt die 49-Jährige Hamburgerin, „und entschied mir selbst zu helfen“. Merke: Hilflosigkeit kann auch mal in einem Start-up münden.

So entstanden die „Notfallmamas“, eine Agentur für Kinderbetreuung, die „für mehr Entspannung im Alltag von berufstätigen Eltern“ sorgen will. Schließlich gibt es berufliche Termine, die nur ganz schlecht verschoben werden können. Und manchmal brauchen Mütter und Väter, die wochenlang ein bettlägriges Kind betreuen, auch einfach einmal eine Auszeit. Doch als Ersatz für die Regelbetreuung soll ihre Agentur nicht dienen. „Wir sind nur dann im Einsatz, wenn Kinder nicht in die Kita können, weil sie zum Beispiel noch fiebrig sind.“

Ihre Inspiration hatte Angela Schmidt (Foto oben) von der Münchner Agentur „Zuhause gesund werden“ erhalten, dem „Häusliche Betreuungsdienst für kranke und genesende Kinder“. Außerdem half die bayrische Agenturchefin bei Schmidts Unternehmensgründung und gab zahlreiche Tipps. „Sie fand es verwunderlich, dass es so etwas noch nicht in Hamburg gab.“

Angela Schmidt konnte ihre Idee im Sommer 2012 zügig umsetzen, die ersten Kunden kamen schnell. Jetzt arbeiten bereits 30 gelernte Erzieherinnen, Pädagoginnen, Kinderkrankenschwestern oder Tagesmütter, die meisten haben selber Kinder, als Notfallmama in Hamburg, Berlin und Schleswig-Holstein.

"Notfallmama"-Team: Qualifiziert, flexibel, liebevoll

„Notfallmama“-Team: Qualifiziert, flexibel, liebevoll

„Natürlich habe ich mich anfangs gefragt: Geht das überhaupt? Eine fremde Frau beim kranken Kind?“ Doch schnell hat Angela Schmidt erkannt, dass die Kinder unkomplizierter sind, als ihre Eltern oft annehmen. Solange sie im eigenen Zuhause sind. „Denn wenn sie in ihrem gewohnten Umfeld bleiben, freuen sich die Kinder sehr schnell über jemanden, der sich ihnen ausschließlich widmet und sich zu 100 Prozent einlässt.“ 1500 Einsätze hatten die Notfallmamas – und nur in einem Fall musste abgebrochen werden, weil das Kind zu lange weinte. Jede Ersatzmama hat so ihre eigene „Trickkiste“, auch mal besondere Bücher oder Spiele dabei.

Wenn ein Kind, die meisten sind zwischen einem und acht Jahre alt, sehr krank ist, „werden wir gar nicht erst gerufen“, sagt Angela Schmidt. Dann bleibt ein Elternteil zuhause. Die überwiegenden Gründe für den Notfall sind Erkältungskrankheiten, Fieber und Magen-Darm-Infekte, so dass die kleinen Patienten nicht in die Kita können. Mehr als die Hälfte der Anrufe kommen von den Vätern.

Die Betreuung kranker Kinder ist trotz flexibler Arbeitszeiten und vorhandener Betreuungsmöglichkeiten wie Krippen und Kindertagesstätten eine Belastung für Mitarbeiter und Unternehmen. Wenn Firmen jedoch mit professionellen Helfern in der Not zusammen arbeiten, könne das als „Magnet im Employer Branding“ dienen, sagt Angela Schmidt. Unternehmen wie die „Comdirect“-Bank und das Modeunternehmen „Tom Taylor“ sehen bereits die Vorteile in dieser Art von Mitarbeiterabsicherung – und kontaktieren Schmidt und ihre Kolleginnen regelmäßig.

Selbstverständlich sei Erfahrung mit kleinen Kindern Grundvoraussetzung für einen Job bei ihr, so Schmidt. Sie brauche qualifizierte Mitarbeiterinnen – und Frauen, die ehrenamtlich arbeiten, können nicht auf Abruf arbeiten. So rechtfertige sich der Stundenlohn von 25 Euro. Zudem könne gut zwei Drittel der Einsatzgebühr als Sonderausgaben von der Steuer abgesetzt werden.

Sieben bis zehn Einsätze in der Woche leisten die Aushilfsmütter von Angela Schmidt. Das Feedback ist sehr positiv, sagt sie. „Viele Kinder wünschen sich beim nächsten Mal ihre „eigene“ Notfallmama wieder. Das versuchen wir zu ermöglichen. Es gelingt allerdings natürlich nicht immer.“

Wenn Sara, Schmidts eigene kleine Tochter, krank ist und nicht in ihre Kita kann, dann kommt ebenfalls eine ihrer Notfallmamas. „Ein besseres Gütesiegel kann ich doch nicht geben.“

(Angela Schmidt auf XING)

1 Kommentare

Andrea Reif

01.09.2014

Was Angela auf die Beine gestellt hat finde ich einfach nur großartig. Das beweist, das wir Frauen uns mehr trauen sollten gerade auch beruflich!

Ich durfte Angela bereits kennenlernen und für mich ist sie ein großes Vorbild.