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Lebensläufe

„Umsteiger, Auszeitnehmer, Reduzierer und Veränderer“

Immer mehr Menschen sehen in einer steilen Karriere nicht mehr den Glücksfaktor Nr. 1. Der Trend zu mehr Ruhephasen und Lebensqualität verändert den Arbeitsmarkt radikal.

Der Geschäftsführer einer norddeutschen Unternehmensberatung, der aus verständlichen Gründen nicht namentlich genannt werden möchte, versteht die Welt schon seit einiger Zeit nicht mehr: „Bewerbungsgespräche funktionierten früher sehr einfach. Es ging um zwei Dinge: Gehalt und Aufstiegsmöglichkeiten. Heute ist das viel komplizierter. Zu den beliebtesten Fragen von Bewerbern gehören nämlich: „Wie sieht’s mit der Work-Life-Balance aus?“ – „Kann ich von zu Hause arbeiten?“ Oder: „Sind Sabbaticals oder andere Auszeiten möglich?“ Da wirkt selbst der Berater ratlos.

Für Gero Hesse, HR-Experte und Betreiber des Recruiting-Blogs saatkorn ist das symptomatisch: „Der Fachkräftemangel führt dazu, dass sich die Machtverhältnisse verschieben. Das Unternehmen ‚bewirbt‘ sich immer häufiger beim Kandidaten. Er ist es, der zunehmend die Bedingungen stellt. Und dabei handelt es sich um andere als in der Vergangenheit.“

Die Suche nach mehr Lebensqualität lässt die klassische “Kaminkarriere”, wie der systematische, meist jahrelang geplante und hartnäckig verfolgte, berufliche Aufstieg oft bezeichnet wird und der für frühere Generationen Leitbild für beruflichen Erfolg war, zunehmend unattraktiv erscheinen. Dazu Gero Hesse: „Die Arbeit wird danach beurteilt, welchen Effekt sie auf die Lebensqualität ausübt. Und das gilt übrigens nicht nur für die Berufseinsteiger, sondern zunehmend auch für gestandene Manager.“ Es sind dabei nicht nur die Vielzahl von Berichten über Burn-out von Top-Managern, die zu dieser neuen Skepsis beitragen. Sondern auch die Geschichten aus dem eigenen Umfeld, in denen Kollegen vermeintlich alles erreicht haben, aber bitter feststellen müssen, dass sie ihr Leben für die Arbeit geopfert haben. Hesse ist sich sicher: Auch deshalb „sehen wir immer mehr Umsteiger, Auszeitnehmer, Reduzierer und Veränderer im Berufsalltag.“

Der Trend zur vermehrten Wachsamkeit für sich selbst jedenfalls ist eindeutig, was auch eine aktuelle Erhebung von XING für XING spielraum belegt. So hat sich die Anzahl von XING Mitgliedern, die ein Sabbatical gemacht haben, in den vergangenen fünf Jahren verdreifacht. Die Zahl der XING-Mitglieder, die von einer Anstellung in die Selbständigkeit gewechselt sind, steigt jährlich und hat sich in fünf Jahren fast verdoppelt. Tätigkeiten als Freelancer wechseln sich fließend ab mit Zeiten im Angestelltenverhältnis. Auch der offene Umgang mit den eigenen Wünschen wird zunehmend salonfähig. So ist die Zahl der User, die angeben, dass sie auf der Suche nach mehr „Work-Life-Balance“ sind, in den vergangenen fünf Jahren um über 80 Prozent gestiegen..

Stephan Dahrendorf, HR-Experte und Geschäftsführer des Hamburger Personalmanagement-Dienstleisters Inplace, kennt die Gründe „Menschen wollen, dass der Beruf ihrem Leben dient, nicht umgekehrt. Gerade viele Vertreter der jungen Generation interessiert nicht in erster Linie, was von ihnen erwartet wird. Sie kümmern sich vielmehr um ihre eigenen Erwartungen. Natürlich auch deshalb, weil sie es sich leisten können, in einer Zeit, in der Talente Mangelware sind. Personalabteilungen müssen sich darauf einstellen, dass die Ausnahme immer mehr zur Regel wird und Modelle für die Belegschaft anbieten, wie die individuelle Lebenssituation und der Beruf optimal in Einklang zu bringen sind. Und Lebenssituationen ändern sich, somit auch der Anspruch an die Arbeit. Das heißt für Berufstätige: ‚Mehr ist möglich‘.“

Bestätigt wird diese Aussage indirekt durch die Tatsache, dass selbst Unternehmen wie McKinsey, nicht gerade bekannt als Work-Life-Balance-Fanatiker, neue Töne von sich geben: „Jedes Jahr stehen jedem unserer Berater bis zu drei Monate Leave zur Verfügung, um private Ziele zu verwirklichen. Jeder kann individuell entscheiden, wie er [das Programm] ‚Take Time‘ für sich nutzen möchte“, verspricht die Beraterfirma nun eigenen Bewerbern auf ihrer Website, und weiter: „Sei es, um ein soziales Projekt zu realisieren, die Welt zu umsegeln oder ausgedehnt Zeit mit der Familie zu verbringen – wir geben unseren Beratern völligen inhaltlichen Freiraum.“

Dass diese Entwicklung nicht nur ein Phänomen der nachwachsenden Generation ist, zeigen prominente Beispiele wie das des Chefs der Bayer AG, Marijn Dekkers. Er hat seinen Vertrag nur um zwei Jahre verlängert, da seine Töchter bald in den USA studieren und er dann mit seiner Frau in ihrer Nähe leben will: „Die richtige Balance zwischen Beruf und Privatleben war mir immer wichtig“, sagt der erfolgreiche Konzernlenker. Spätestens mit diesem Beispiel sind die neuen „Umsteiger, Auszeitnehmer, Reduzierer und Veränderer“ wohl endgültig in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

18 Kommentare

Guldimann Markus

04.07.2014

Die Arbeitgeber sind selber Schuld. Die Arbeitskräfte wurde Jahrelang ausgepresst wie eine Zitrone und in den meisten Fällen wurden die Arbeitnehmer schlecht dafür entlöhnt oder sogar entlassen wenn sie nicht mehr ins System reingepasst haben. Die grossen Bonis haben immer nur die Manager abkassiert. Und die waren in den meisten Fällen nicht haltig. Ich habe in paar Betriebe gearbeitet. Und es ist einfach ein Tatsache. Wenn es den Mitarbeitern gut geht, (Das muss nicht immer Monetär sein) dann ist die Arbeitsqualität und Quantität wesentlich höher als bei schlecht bezahlten und schlecht behandelten Mitarbeiter. Nur man sollte nicht gerade von einem Extrem ins andere gehen.

Anita Friedrich

07.07.2014

Ich bin i1951 geboren und bei uns ging es vorwiegend um den Job und erst dann um die Familie, zumindest, wenn man ein Karriereziel vor Augen hatte. Als ich dann mit 32 meine Tochter bekamm, wurde ich erst mal aus dem Karriereplan herausgenommen, obwohl ich weiterhin sehr leistungsstark war. Ich finde es gut, dass auch der Bewerber heute die Bedingungen stellt. Guter Artikel!

jungborn

07.07.2014

Das ist ja alles schön und gut. Als Arbeitnehmer mit 54 Jahren sieht die Realität ganz anders aus. Gut ausgebildet, längjährige Berufserfahrung in Führungsfunktionen aber die Firmen wollen solche „Alten“ scheinbar nicht mehr – zu teuer. Selbst wenn man sich im Punkt Salär durchaus flexibel zeigt, wird dieses Angebot abgeleht. Man sei schnell wieder weg, wenn eine Funktion mit höherem Salär winkt. Andererseits wird von uns „Alten“ eigentlich in der Politik immer wie mehr erwartet, dass man über das Pensionsalter hinaus arbeitet. Wie soll das gehen?

Wenn Sie keine neue berufliche Herausforderung finden stimmt die Work-Life Balance überhaupt nicht mehr.

Wo sind die Arbeitgeber, welche ihre Verantwortung warnehmen und auch Arbeitnehmern über 50 eine interessante Stelle anbieten. Alles muss nur immer jung und möglichst günstig sein.

Salathe

07.07.2014

Es wird endlich Zeit, dass die Menge der sog. „gut funktioniernden“ Angestellten rapide abnimmt. Die Chefs selber geniessen nämlich die Annehmlichkeiten des Lebens in vollen Zügen (mein Haus, mein Pferd, mein Auto, mein Schiff, mein Golf-Stammplatz, meine Frau und Freundin, etc.). Diese werden Ihnen nur durch die eben erwähnten funktionierenden, nicht aufmüpfigen, braven Angestellten ermöglicht. Schluss damit: es gibt ein Leben vor dem Tod!

Dr. Carsten Reimann

07.07.2014

Hervorragende Zusammenfassung, vielen Dank! An einem Punkt würde ich ein wenig anders formulieren: Karriere ist und bleibt schon einer der Top Glücksfaktoren. Die „steile Karriere“ sieht aber wohl zunehmend anders aus als bei unserer Elterngeneration „einmal Daimler – immer Daimler“. Interessante Entwicklungen sehen wir hier auch im traditionell konservativen Anwaltsmarkt. Wir haben derzeit am meisten Zulauf von Kolleginnen und Kollegen jenseits der 40 und 50. Tendenz: der Anteil der jüngeren „Umsteiger, Auszeitnehmer und Veränderer“ steigt.

Benjamin Meißner

07.07.2014

Wer einmal erlebt hat, dass jahrelange gute Leistungen und Treue zum Unternehmen nach nur einem schlechten Jahr nichts mehr wert sind, der versteht, warum sich die Prioritäten so umdrehen.

Ein weiterer Grund sind auch die hohe Anzahl sozial inkompetenter Vorgesetzter vor allem im Vertrieb. Dadurch sind dann Ergebnisse wichtiger als Teamwork etc. und auch das führt bei den darunter Leidenden zu mehr Konzentration auf die eigenen Bedürfnisse.

ThunderBlade

07.07.2014

Hart/viel arbeiten, um viel Geld zu verdienen – man fragt sich wozu? Große Häuser/Wohnungen können das Geld schnell verschlingen, aber machen sie glücklich? Heute ist eher das Gegenteil der Fall – Bauherren müssen sich vor Pfusch am Bau und minderer Qualität fürchten. Und sonst? Schöne Autos, dafür könnte man Geld ausgeben – doch beim Händler warten nur die rendite-optimierten Premium-Fahrzeuge, vollgestopft mit Elektronik, und der 40jährige potentielle Käufer fragt sich, ob er dafür wirklich so viel Geld ausgeben soll. Viel Geld verdienen lohnt nicht mehr – an der nächsten Ecke wartet schon der „Investment-Berater“, der einem mangels Zinsen auf dem Sparkonto leicht eine „windige“ (EECH) Anlage andrehen kann. Kein Wunder also, dass immer mehr denken: Wozu noch hart arbeiten?

Meikell

07.07.2014

Nicht für die Schulen, für das Leben lernen!
Arbeite um zu leben und lebe nicht, um zu arbeiten.

Zwei schlaue Sprüche, die eines gemeinsam haben: Sie sind nie in der Realität angekommen. Die meisten Firmen und HR-Unternehmen scheinen nicht davon mitbekommen zu haben, dass sie der im Artikel genannte Trend abzeichnen soll. Top-Ausbildung in minimaler Zeit, lückenlose Karriere und viel Geld sind in (gefühhlten) 99% der Angebote immer noch der Renner. Elternzeit, privates Engagement oder gar der dempgrafische Effekt, spielen in den Köpfen dieser Manager so lange keine Rolle, bis es zu spät ist. Schon jetzt hört man in vielen gegenden z.B. Handwerker darüber jammern, dass der von Ihnen selbst NICHT ausgebildete Nachwuchs jetzt händeringend gesucht wird.

Rena Zink

07.07.2014

Ihr finde es gut und wichtig, dass endlich dem Genuss am Leben mehr Tribut gezollt wird. Dieser kann sehr individuell gestaltet sein, für den einen ist es die Karriere, für den nächsten die Familie, für andere Reisen, oder die persönliche gestaltete Verteilung dieser. Das eine darf das andere nicht ausschließen – der Trend zeigt in diese Richtung. Das ist gut und lässt hoffen.

Valentina Levant

07.07.2014

Arbeitszeit ist Lebenszeit! Ich habe mich vor Jahren vor einem drohenden „Bore- und Burnout“ in die Selbstständigkeit gerettet. Damals traute ich mich nicht, meine Erwartungen konkret mitzuteilen und die der Arbeitgeber genau zu erkunden. Am Ende waren beide enttäuscht. Denn ich habe mich von mir selbst so weit entfernt, dass ich auch nur solche Jobs bekommen habe: weit weg von mir entfernt! Von dem Moment an, als ich meine Bewerbungs-Strategie änderte, stieg mein Wert in den Augen der Arbeitgeber drastisch an und diese bemühen sich nun um mich. Ein unglaublich tolles Gefühl, das ich allen wünsche! Sich zu bewerben machte plötzlich Spaß! Nach insgesamt ca. 40 Vorstellungsgesprächen, habe ich mich doch für die Selbstständigkeit entschieden!
Durch diese Erfahrungen, ist es mir heute ein Herzensanliegen, Menschen professionell dabei zu begleiten ihre Berufung zu finden und sich AUTHENTISCH zu bewerben!

Joachim Berendt

07.07.2014

Es wir in dieser Diskussion der sogenannten Generation Y oftmals übersehen, dass die junge Generation bei allem Anspruch auf individuelle Freiheit sehr wohl bereit ist, Verantwortung zu übernehmen und auch hart zu arbeiten. Nur muss man dafür nicht systematisch im Büro seine Zeit absitzen. Eine Top-Leistung kann auch beim Kunden und/oder im Home-Office erbracht werden.
Voraussetzung sind deutlich gesetzte Rahmenbedingungen, die Entscheidungsspielräume lassen, sowie klar geregelte Aufgaben und Verantwortlichkeiten.
Außerdem ist es in unserer Wissensgesellschaft zunehmend von existentieller Bedeutung, Wissen zu teilen. Auch das hat die Jugend manchem Babyboomer voraus: Freude an Teamwork und am Teilen von Wissen.
Wenn wir als Führungskräfte es richtig angehen, haben wir leistungsfähige junge Arbeitnehmer/innen, die zufriedener und motivierter sein werden als wir es bisher kannten. Und Freude an der Arbeit führt bekanntlich zu Mitarbeiterbindung und Kundenzufriedenheit und das zu positiven Ergebnissen. Also nutzen wir die Stärken dieser jungen oft sehr gut ausgebildeten Generation.
http://www.berendt-partner.de

TheKid

07.07.2014

Inspiriert durch einen der vorhergehenden Kommentare: Dass die jungen störrisch werden, kann ja durchaus für die älteren vorteilhaft sein, die sonst auf der Wartebank sitzen. Wenn die junge Generation so anspruchsvoll ist, kann die ältere die Chance nutzen und mit klassischer Wertorientierung wieder fußfassen.

Belustigend finde ich den verallgemeinernden Ton solcher Berichte: Erinnern wir uns kurz daran, dass sich die Aussagen eigentlich nur auf Schreibtischtäter beziehen. Bleiben genug (heute) junge, die von Extrawürsten oder Karrieren träumen können. Oder schmunzle ich hier unangebrachter Weise? Stellen die jungen Handwerker wirklich Forderungen (nach mehr Freizeit)?

Geld ist nicht alles aber alles ist Geld.

Hamburg

08.07.2014

Nach diesem aufgezeigtem Muster habe ich (1956) ein Leben lang gelebt. Mit 42 Jahren habe ich dann mein zweites Universitätsstudium (Wirtschaftsinformatik) absolviert.
“Als Arbeitnehmer mit 54 Jahren sieht die Realität ganz anders aus.“
Das kann ich nur bestätigen! Gut ausgebildet, langjährige Berufserfahrung in Führungsfunktionen, aber die Unternehmen wollen solche “ALTEN” einfach nicht mehr, trotz guter Qualifikation. Die Unternehmen suchen lieber “vergeblich“ nach den “guten“ 23 jährigen Bachelor, der weder zu alt noch zu teuer ist. Der aber leider keine Berufserfahrung noch Lebenserfahrung nachweisen kann! Woher denn auch? (Und schon werden auch diese wegen schlechter Leistungen heruntergemacht!)
Daher sehe ich der Entwicklung, Rente mit 61, mit einem lächelnden und mit einem weinenden Auge entgegen! Es wird immer enger für die Unternehmen qualifizierte Mitarbeiter zu finden und wenn die deutschen Unternehmen im Wettbewerb nicht das Nachsehen haben wollen, dann müssen sie sich auf die Qualität des Bewerbers konzentrieren und nicht auf das Alter! (Wir sollen eigentlich bis 67 arbeiten!) Denn gut und komplex ausgebildete FACHLEUTE müssen erst einmal 45 Jahre (Mindestversicherungszeit) zusammen bekommen!
Also macht es wie ich, konzentriert euch auf euer Leben und nicht auf das was gerade am Markt gesucht und gebraucht wird! Die Unternehmen entscheiden heute, nach wie vor, immer noch nach dem Return on Investment, nutzt also die Stunde der Zeit!
Für uns ALTEN bleibt zurzeit nur der Trost: “Die Stunde der Erben“ :-)

Florian Neumann

08.07.2014

Also ich kann mich einigen der negativen ( gegen Arbeitgeber/Chefs ) nur anschlieszen. Arbeite jetzt seid gut 5 Jahren Hauptberuflich als Web-Entwickler ( davor 10 Jahre neben der Ausbildung ) und wahr ehrlich schockiert ueber die Art und Weise wie Arbeitnehmer in manchen Firmen behandelt werden ( Kein Respekt vor den Personen, der Leistung, oder dem Beruf; ). Noch schlimmer fand ich allerdings wie kleinlaut mein Kollegen das alles ueber sich ergehen lieszen ( was teilweise sicher auch an Abhaengigkeiten wie Familie etc. erklaert ). Ich fuer meinen Teil kann nur sagen ich bin nicht Mutter, Kindergarten, Schule und Studium entgangen um mich von irgend einem dahergelaufen Aroganzling knechten zu lassen…

lenny

09.07.2014

Ja was hat man denn von der Rente, nix.. bis 70 Arbeiten! Meine Generation und die danach, mit diesen Drecks 1000€ Jobs, müssen doch ein Leben lang arbeiten. Wer will schon leben wie nach dem Krieg. Wer gerne Arbeitet bleibt auch (s)ein Leben lang produktiv. Ich bin jedenfalls nicht bereit für 1000€ cash 40h zu arbeiten. Eine gesunde Relation fängt bei mir mit 25h bei 1250€ netto an. Lieber Teilzeit und Zeit für meine Familie und das Leben und ein kleines Budget als viel Geld und keine Zeit zum Leben. Ich bekomme regelmäßig Burnouts, weil mir entweder das Geld zum überleben fehlte oder weil mir das Leben fehlt und ich vom Geld und der Familie nichts mehr habe. (meist bei Jobs mit 1600€ netto bei 60-80h Woche). In letzterem Fall ist man lediglich Lohnsklave. (Ich war auch Jahre lang selbstständig, kenne also die Zahlungsmoral großer Unternehmen gegenüber den Kleinen.)
Und als Fachkraft und ehem. Selbstständiger kann ich diese ewige Fachkräftemangelsülze nicht mehr hören. Es geht bei dem selbsterzeugten Fachkräftemangel ja nur um Lohndumping! Die Unternehmen haben immer auf Systemoptimirer gesetzt, Personal ist Geld intensiv, ob durch guten Lohn oder bezahlter Freizeit um einen Stressausgleich zu schaffen! Unzufriedenheit kommt von allen Seiten, meine Mitarbeiter waren immer Familienmitglieder und auch Mitentscheider. Die Unternehmen sind nicht bereit Personal ausbilden und in dieses zu investieren, man kann diese Dinge nicht auf den Staat abschieben! Bei offiziell 3 Mio Arbeitslose kann es kein Fachkräftemangel geben, und die Dunkelziffer liegt ja weit höher. Es kann also nur die Rede von ungelernten Potential sein.

Ich bin Fachkraft, mit 34 will mich jetzt schon keiner mehr und wie soll ich von 1600€ (brutto), bei inzwischen 900€ Fixkosten, ohne Essen meine Weiterbildung selbst zahlen. Der ehem. Tariflohn in meiner Klasse wäre ein Einstiegsgehalt von 2400€ brutto üblich, das zahlt seid Jahren keiner mehr! Also entscheide ich mich wie oben bereits genannt für eine Teizeitstelle und werde nur das tun was der deppertste Depp tun würde für das Geld, denn es ist ja auch so bezahlt.
Ich war immer ein tüchtiger Mitarbeiter und war immer an das Unternehmen bedacht, aber Erfolg wird nicht mehr honoriert. Ich habe es nicht nur einmal gehört… „Jeder ist ersetzbar!“ Unternehmen die so denken sind gute Arbeitskräfte weder wert noch einen dauerhaften Marktbestand in der Zukunft sicher.

Patrick Glückler

11.07.2014

Hallo zusammen,
ich finde es sehr wichtigl und an der Zeit, dass Unternehmen beginnen umzudenken und den Wert Ihrer Mitarbeiter und deren Freizeitverhalten mit in Ihre Personalplanung einbeziehen.

Ich selbst habe mir mehrfach eine (Reise-)Auszeit genommen und kann diesen gar nicht genug Wertschätzung an Erholung, Lebenserfahrung und Selbstbewußtsein beimessen.

Selbstverständlich geht es nicht darum komplett auszusteigen und dem Unternehmen den Rücken zu kehren, sondern vielmehr darum, einen goldenen Mittelweg zwischen Arbeit (Karriere) und freier Zeit sowie Selbstverwirklichung zu finden.

Leider ist dieser unkonventionelle Weg gesellschaftlich immer noch in Verruf, doch kann ich aus eigener Erfahrung sagen, das sich eine Kombination aus Arbeit und Auszeit lohnt. Denn Lebenszeit ist endlich.

Viele Grüße aus Köln
Patrick Glückler

Werner Philipp

12.07.2014

Sehr interessanter Bericht. Als ich nach meiner über 11jährigen äußerst erfolgreichen Tätigkeit als Bankvorstand nochmal ein Studium mit einem Projekt in Australien absolvierte und den sicheren Job mit Top-Gehalt aufgab, wurde gerade in der unbeweglichen Bankbranche nur über die Gründe spekuliert, wie ich so etwas machen könne. Der wahre Grund vieler Manager, die diese Entscheidung verurteilen, ist, dass sie selbst in Ihrer Denkwelt der absoluten Sicherheit leben und es Ihnen an Mut und Kreativität oder vielleicht auch nur an Selbstbewusstsein oder Fähigkeiten fehlt, andere Wege zu gehen. Sie lassen sich lieber verbiegen, um Ihre Schäfchen zu sichern. Doch die Denkwelt der meisten Personalentscheider und Headhunter entspricht immer noch der alten Muster. Das ist auch der Grund, dass man in Deutschland für derartige Entscheidungen immer noch sehr viel Mut und Zutrauen zu seinen eigenen unternehmerischen Fähigkeiten haben muss, wenn man trotz Top-Job einen neuen Weg gehen will. Wenn sich Personalentscheider und Vermittler diesbezüglich öffnen, würde dies Innovation und geistige Freiheit zum Wohle von Betrieben fördern und Intrigen entgegenwirken. Doch ich bin zuversichtlich, es ist was im Gange, auch wenn es in Deutschland viele Jahre dazu braucht.

Herzliche Grüße
Werner Philipp

IchWarAuchMalArbeitswütig

14.03.2016

Diese Entwicklung kann ich sehr gut verstehen. Wie öfter festgestellt wird im Arbeitsleben auch der letzte Rest Zitronensaft zusammengepresst aus dem Arbeitnehmer. Der Job als Freelancer hat nur dann einen Vorteil, wenn man für mehrere „Dienstherren“ tätig ist. Gerade im Vertrieb gilt, was Herr Benjamin Meißner festgestellt hat. Manche Unternehmen sind der Meinung, mit der Bereitstellung eines Vertriebsgebietes hätten sie den selbständigen Handelsvertreter für 24 h täglich gekauft. Sie haben keine Scheu, auf die Mitteilung, man werde nicht mehr 16 h täglich arbeiten, mit Drohbriefen zu reagieren („Erfüllen Sie Ihren Vertrag nicht mehr?“) gerade, wenn man der Beste ist (von den anderen ist man es ja nicht gewöhnt). Dann aber ganz schnell weg, und zwar VOR dem bournout.

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