Lebensläufe

"Ich will mehr"

Katharina Kohlmayr war eine erfolgreiche PR-Managerin, mit Anfang 30 stand sie vor einer klassischen Karriere. Aber etwas Wichtiges fehlte.

„Es hat sich alles gelohnt.“ Wer Katharina Kohlmayr dabei zuhört, wenn sie über ihre Arbeit spricht, der merkt sehr schnell, dass hier jemand nicht nur einen Beruf, sondern seine Berufung gefunden hat. Die 35-Jährige geht in ihrem Job als Kinesiologin voll auf.

Es ist schon ihr drittes berufliches Leben, und es war nicht so, dass die beiden vorherigen ihr gar keinen Spaß gemacht hätten. Die diplomierte Hotel-Kauffrau aus Salzburg, die nach Stationen unter anderem in der Schweiz und den USA wegen ihres neuen Partners nach Deutschland kam, übernahm in dessen Kommunikations- und Beratungsagentur schnell die Rolle einer Projektmanagerin, arbeitete bald selbstständig mit Unternehmen und deren Führungskräften an der Optimierung ihrer öffentlichen Auftritte.

Katharina Kohlmayr hätte wahrscheinlich problemlos so weitermachen können, noch mehr Karriere machen, große Kunden verantwortlich übernehmen. Mit Anfang 30 stand ihr die PR-Welt offen. Doch sie selbst hatte – trotz aller Erfolge – immer wieder das Gefühl, dass „irgendwas dabei noch fehlte“. Für den Kunden und für sich selber. Wenn jemand in einer Krisensituation trotz Training und Hilfestellung überfordert war, musste das doch was mit anderen, tieferliegenden Ursachen zu tun haben. „Ich hatte das Gefühl, ich würde mich nur an den Symptomen abarbeiten und das befriedigte mich überhaupt nicht“, sagt sie.

Manch einer tröstet sich bei einem solchen Frust im Job mit Titeln, manch anderer mit guten Honoraren. Katharina Kohlmayr suchte weiter. Ein Zeitschriften-Cover half ihr schließlich beim entschiedenen Schritt: „Ich will mehr!“ lautete die Titelstory des Wirtschaftsmagazins „brand eins“, die sich mit der „Suche nach dem Sinn“ beschäftigte. „Da hat es Klick gemacht bei mir, da wusste ich, ich muss viel mehr ändern, als ich gedacht habe“, erinnert sich Katharina Kohlmayr.

Brand_Eins_Titel_Umsteiger

Es ging nicht mehr darum, etwas Neues für den alten Job zu lernen, nicht um ein bisschen mehr Fachwissen oder Weiterbildung, es ging um einen tatsächlichen Neuanfang. Nach intensiver Suche fand sie schließlich eine Aufgabe, die „auf mich förmlich zu warten schien“.

Im ursprünglichen Sinn ist Kinesiologie die „Lehre von der Bewegung“. Wobei nicht nur die körperliche, sondern auch die innere, geistige Bewegung gemeint ist. Weiter gedacht und angewendet „erkennen meine Klienten ihre persönlichen Stressmuster, lösen Blockaden und finden zum eigenen Gleichgewicht zurück“, so Katharina Kohlmayr und man versteht gut, warum gerade sie gerade hier das Ziel ihrer Suche sah.

Insgesamt drei Jahre lang dauerte die berufsbegleitende Ausbildung zur Kinesiologin. Allmonatlich ein paar hundert Kilometer Autobahn zum Seminar, fast täglich Erarbeiten eines vollkommen neuen Themas, ab dem zweiten Jahr bereits – als Teil der Ausbildung – Arbeit mit Klienten. Eine echte Investition in Zeit, Emotionen und Geld.

Katharina Kohlmayr sah dabei klar, was sie alles für den neuen Job aufgab, auch, welches Risiko sie damit einging. Die ein oder andere Freundin schaute mehr als skeptisch, auch bei den Kunden musste sie ihre Entscheidung mehr als einmal erklären. Und vor sich selbst „auch immer mal wieder rechtfertigen“. Es kamen all die typischen Probleme und Gewissensbisse von Umsteigern, die „im gestandenen Alter“ noch einmal beruflich von Neuem beginnen – und das oft in hoch komplexen und ausbildungsintensiven Berufen. Mit 30, 35, 40 oder noch älter, hat Frau oder Mann eben sehr oft schon ein deutlich engeres Korsett an Verpflichtungen, Lasten und gewohnten Lebensstilen als ein 20-jähriger Student. Das fordert beim Neuanfang einen kräftigen Tribut.

„Ohne die große Hilfe meiner Familie und meiner Ausbilderin hätte ich die Zeit auch nicht durchgehalten“, verrät sie. „Wer einmal versucht hat, ein Wochend-Seminar zum Thema „Auswirkungen von chronischem Stress auf unsere Gehirnphysiologie“ mit einem sechs Monate alten Baby auf dem Schoß zu absolvieren, weiß, worüber ich spreche“. Denn auch die Tochter Johanna hat den neuen Berufsweg der Mutter von Anfang an begleitet.

Seit nunmehr zwei Jahren ist Katharina Kohlmeyer Kinesiologin und hilft dabei Menschen, die mit vielfältigen Wünschen zu ihr kommen. Der eine will seine Konzentration steigern, die andere mehr Selbstvertrauen gewinnen. „Motivation, Leistungsbereitschaft und Gesundheit“ – das sind die Kernthemen ihrer Arbeit. Die drei Säulen, auf die sie die Menschen, denen sie hilft, stellen will. Je früher die das selber können, umso besser: „Ich möchte nicht, dass meine Kunden in ein Abhängigkeitsverhältnis kommen, wie es vielleicht bei klassischen Therapeuten sein kann“, sagt sie. Stattdessen will sie „Impulse geben, die Eigenverantwortung stärken, Brücken bauen – aber drüber gehen muss man schon selbst“.

Und das funktioniert – auch wirtschaftlich. Als Business Kinesiologin berät sie mittlerweile Führungskräfte und Mitarbeiter von Unternehmen bei der Stressbewältigung und Prävention. Oder begleitet schwierige Situationen, wie zum Beispiel Teamkonflikte, Change-Prozesse, Startup-Phasen oder den Generationswechsel in Familienbetrieben.

Für Katharina Kohlmayr ist ihre Arbeit, die sie zum Teil auf dem eigenen, restaurierten Gutshof in der Elbmarsch ausführt, zu einem echten, tatsächlich zu ihr gehörenden Teil des Lebens geworden: „Es hat sich alles gelohnt.“ Und das „Ich will mehr!“-Cover von „brand eins“ hängt als Bild stolz an der Wand ihres Büros.

Kontakt: Katharina Kohlmayr auf XING

6 Kommentare

Gisela Strnad

08.07.2014

… ich kann das so gut nachempfinden. Mein Lebensweg sieht ähnlich aus und ich wäre ohne Kinesiologie nie über einige berufliche und private Tiefschläge gekommen. Mein Mentaltrainer hat mir dabei sehr geholfen, ohne das ich das Gefühl hatte in einer Therapie zu sein. Ich war dabei immer selbstbestimmt, was für jemanden der jahrzehntelang Teamleader war sehr wichtig.
Ihnen viel Erfolg bei Ihrem weiteren beruflichen und privaten Weg.
Viele Grüße
Gisela Strnad

Marion Werkner

09.07.2014

Ich finde die Thematik sehr spannend und freue mich schon auf die unterschiedlichen Sichtweisen.

Stefan Nette

16.07.2014

Alles woran Menschen glauben ist kein Humbug, werter Peter. Mag sein dass die wissenschaftliche Basis fehlt, es keinen nachweisbaren Effekt gibt. Aber solange der Placeboeffekt funktioniert, kann Menschen damit geholfen werden. Insofern ist es gänzlich egal ob Sie beten, was wissenschaftlich betrachtet auch Humbug ist, oder Spaghettizöpfe flechten. Der Glaube daran, dass sich dadurch etwas zum positiven wendet ist gold wert.

Ich finde es gut, dass Frau Kohlmayer nun etwas macht das sie mit Leid und Seele vertreten kann und dass Sie erfüllt. Was ich persönlich von der Tätigkeit halte ist hierfür vollkommen irrelevant.

Silke

01.08.2014

ich finde es wichtig was Beruflich zu machen was ein Befriedigt.Wenn der Tag zu Ende ist nicht erschlagen zu sein sondern noch offen zu sein für Privates.
Ich befinde mich Momentan auch in so einer Findung (leider noch nicht ganz die Endkurve gefunden ).
Ich ziehe vor jedem den Hut der den Mut hat ,Klasse.

Paul Jensen

05.11.2014

Nicht nur für Frau Kohlmayr, auch für unser Unternehmen hat sich der Schritt auf jeden Fall gelohnt. Sie schult unsere Mitarbeiter und berät uns in Fragen des Stressmanagements und der Potentialentfaltung von (Nachwuchs-)Führungskräften. Und das mit Ergebnissen, die uns immer wieder erstaunen! Peter, mit ihrer Einstellung verpassen Sie was…

Erika Demharter

27.07.2015

Ich finde es klasse, wenn Menschen auf Ihre eigene Intuition hören und aus dem Hamsterrad aussteigen. Warum gibt es heutzutage so viele Burnouts: Weil Menschen Dinge tun, die sie längst nicht mehr befriedigen,aber nicht den Mut haben, auszusteigen und für sich selbst die Verantwortung übernehmen. Wer heutzutage Garantien haben will, muss „Toaster kaufen“. Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten ist unser Kapital, unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden!