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Lebensläufe

Auszeitagentur: Expertin für die große Pause

Vor drei Jahren gründete Daniela Scholl die „AuszeitAgentur“. Seither kommen immer mehr Menschen, die sich mit ihrer Hilfe eine Pause vom Job und Alltag gönnen.

Neulich war da ein Mann, der wollte zum Nordkap. Aber nicht als Tourist, sondern im Lkw. Herr W. hatte sich entschieden, seinen Jungs-Traum zu verwirklichen, eine berufliche Pause einzulegen und als Beifahrer in einem Lastwagen zum berühmten Schieferplateau hoch im Norden Norwegens zu fahren. Aber wie? Und jetzt kommt Daniela Scholl ins Spiel.

"AuszeitAgentur"-Gründerin Daniela Scholl: „Nur Mut, was soll schon passieren?!“

„AuszeitAgentur“-Gründerin Daniela Scholl: „Nur Mut, was soll schon passieren?!“

Scholl, gelernte Touristikmanagerin und Jahrgang 1972, hat 2011 mit einer Kollegin die AuszeitAgentur in Frankfurt gegründet. Sie bietet ihre Dienste Menschen an, die sich ein Sabbatical wünschen, eine berufliche Pause brauchen, aber nicht so genau wissen, wie sie das umsetzen können. „Ich verstehe mich als Mutmacher„, sagt Daniela Scholl, die sich 2007 selbst mal eine Auszeit nahm und aus der Zeit viele Erfahrungen mitbringt.

Die erste Hürde ist der Chef oder die Chefin. Wie sage ich es? Auch das übernimmt die AuszeitAgentur mitunter. „Ich vermittele, bereite auf Wunsch das Gespräch mit dem Vorgesetzten vor – besetze sozusagen das Thema Sabbatical positiv.“ Schließlich erkennen immer mehr Arbeitgeber, zumindest in vielen großen Unternehmen, dass alle von inspirierten und erstarkten Mitarbeitern profitieren.

„Wir unterscheiden zwischen ‚Hin-zu-etwas-’ und ‚Weg-von-etwas-Menschen’„, sagt Daniela Scholl. Bei den Letzteren, den sozusagen „Flüchtigen“, seien sie die Falschen. Dann ist ein Coaching oder ein Selbstfindungsseminar vielleicht passender, damit erst einmal herausgefunden wird, was nicht richtig läuft im Leben. „Aber denjenigen, die einmal aus dem Alltag ausbrechen, sich selbst eine Auszeit vom Job gönnen und ungewohnte Pfade betreten möchten, können wir helfen.“ Sie wollen als Cowboy arbeiten auf einer argentinischen Ranch oder den Pilotenschein in Florida machen. Und immer öfter wünschen sich die Auszeit-Nehmer eine Beteiligung an sozialen Projekten. Dann möchten sie zum Beispiel Englisch unterrichten, in einem Waisenhaus in Nepal, oder Erntehelfer auf einer Mangoplantage in Afrika sein.

Kürzlich allerdings kam eine Frau, die sich einen sehr speziellen Lebenstraum erfüllen wollte: Die Mittvierzigerin möchte auf allen fünf Kontinenten Salsa tanzen. Die erste Etappe ist übrigens Novosibirsk. Dort, in der größten Stadt Sibiriens, soll es eine der besten Salsa-Schulen geben. Daniela Scholl liebt es, komplexe Wünsche zu erfüllen. Doch manchmal gerät sie auch an Grenzen. „Manches, das sich toll anhört, ist in der Realität alles andere als romantisch.“ Jeder sollte sich genau über die Lebensumstände gerade in für Nordeuropäer exotischen Ländern informieren – und wissen, was auf ihn zukommt.

Wer also braucht eine Auszeit? „Jeder, der es möchte“, sagt Scholl. „Ich glaube in der Tat daran, dass Menschen regelmäßig unbedingt längere Pausen brauchen.“ Sehr viele träumen von einer beruflichen Pause, aber zu viele haben Angst vor diesem Schritt. Angst davor, was die Kollegen sagen. Und was ist mit der nächsten Beförderung? Verliere ich gar meinen Job?

Bei all diesen Fragen unterstützt Daniela Scholl ihre Klienten. Sie schneidert die Auszeiten maßgerecht, plant und organisiert alles ganz konkret. Während man eine kurze Pause mit ein bisschen Geduld ganz gut selbst hinbekommt, beansprucht eine mehrmonatigen Abkehr vom Alltag einiges an Vorbereitung. Wie viel Geld brauche ich? Soll ich meine Wohnung untervermieten? Läuft die Krankenversicherung weiter? Gehe ich mit meinem Partner oder lieber allein?

Daniela Scholl bietet auch Seminare in Unternehmen an, Vorträge zum Thema Stressmanagement oder Coachings für mehr Mitarbeiterpartizipation. Ihr Herzblut jedoch sind die Privatpersonen, die einfach mal weg möchten. Ins Kloster, nach Kambodscha oder Köln. Denen sagt Scholl immer: „Nur Mut, was soll schon passieren?!“

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