„Tu das, was dich glücklich macht“ – 3 Fragen, 3 Antworten an Generation Y-Expertin Kaja Otto

Generation Y – unser Fokusthema im Monat Juni: Nach Tina Egolf und Svenja Hofert haben wir Kaja Otto, Life-Coach, Networking-Specialist & Generation Y-Expertin nach ihrer Sicht auf die Generation Y befragt. Seit knapp 10 Jahren begleitet sie Studierende zu den Themen Entrepreneurship, Projekt-Management und soziale Verantwortung. Das vollständige Interview mit Kaja Otto ist in der XING-Gruppe „Arbeit.Zeit.Leben.“ nachzulesen – lesen- und diskutieren Sie mit!

Kaja Otto, Life-Coach, Networking-Specialist & GenY-Expertin

Kaja Otto, Life-Coach, Networking-Specialist & GenY-Expertin

Eine ihrer Zielgruppen sind Studenten. Haben Sie den Eindruck, dass Unternehmen, die die Studenten von heute ansprechen wollen, schon verstanden haben, dass und wie sie um die Gunst der High Potentials buhlen müssen?

Absolut. Firmen pitchen richtiggehend vor den Studierenden, zum Beispiel mit Hilfe von Imagefilmen, Unternehmensworkshops, Business Speed-Dating. Daran, dass es solche Formate überhaupt gibt, sieht man, dass sich hier gerade eine Machtverschiebung stattfindet.
Die nach 1980 Geborenen gehen sehr stark nach Persönlichkeiten, wenn es darum geht herauszufinden, ob ein Job für sie interessant ist oder nicht. Sie schauen hinter die Kulissen, wollen persönliche Empfehlungen und mehr Sichtbarkeit von Individuen anstelle von glänzenden Marketingbroschüren. Authentische Ankerpunkte und Kontakte entscheiden im Zweifelsfall darüber, ob sie sich im Kontakt mit dem Unternehmen wohl fühlen und ein Jobangebot annehmen.

Wie erleben Sie diese Generation : Stehen die Gen Yler der Vielfalt an Lebens- und Karriere-Entwürfen, die ihnen offen steht, eher freudig oder eher ängstlich gegenüber?

Viele zeigen sich durchaus eingeschüchtert. Es ist weniger die Masse der Wahlmöglichkeiten – denn damit sind sie groß geworden – als vielmehr die Maxime die dahinter steht: „Tu das, was dich glücklich macht“. Vor diesem Hintergrund wird jede Entscheidung schnell mit Bedeutung überfrachtet. „Macht mich das wirklich glücklich?“ ist eine Frage, die so groß wirkt, dass sie viele eher daran hindert, sich zu trauen, aus der Vielfalt biographischer Möglichkeiten auszuwählen.

Durch die Masse der Auswahl wächst der Anspruch an Perfektion. Wenn ich die Wahl zwischen hunderten von Eissorten habe, fällt es mir schwerer, diejenige zu finden, die mir am besten schmeckt. Habe ich hingegen nur zwei, fällt die Entscheidung leichter und die Wahrscheinlichkeit, dass ich mit ihr zufrieden bin, ist höher. Denn bei geringer Auswahl machen wir die Auswahl für Unzufriedenheit verantwortlich. Je größer die Auswahl, desto mehr Verantwortung trage ich – denn theoretisch muss es ja Perfektion geben.

Das ist nichts anderes als das von Barry Schwartz beschriebene Paradox of Choice. Wenn die Überschaubarkeit nicht mehr gegeben ist, lässt man sich lieber alle Türen offen, gestaltet sein Leben flexibel und legt sich nicht zu sehr fest. Eine Tür bewusst zuzumachen fällt Generation Y daher schwer.

Sind denn die typischen Merkmale, die der Generation Y gemeinhin zugeschrieben werden, nicht einfach Ausdruck der Art und Weise, wie Menschen auf die Anforderungen der neuen Arbeitswelt reagieren? Anders gefragt: Kann nicht auch ein 40jähriger entscheiden, dass Sinn und Freude an der Arbeit für ihn wichtiger werden?

40jährige sind oft noch mit dem Bewusstsein in den Job gegangen „Dies ist ein guter, sicherer Job, der mich materiell absichert, aber ich muss dort nicht alles finden, was im Leben wichtig ist.“ Für die Generation Y hingegen ist die Frage nach Glück und Sinn so zentral, dass eine ständige Rückfrage nach der Sinnhaftigkeit einer Tätigkeit erforderlich wird. Arbeit muss für sie mehr leisten: sie muss Potential bieten, ist Selbstzweck und wirkt identitätsbildend.

Damit hängt übrigens auch zusammen, dass die nach 1980 Geborenen weniger Wert auf Besitz legen: wer immer schon (fast) alles hatte, für den ist das keine entscheidende Triebfeder. Das ist etwas anderes, als wenn man jahrelang auf das Haus oder den Mercedes hinspart. Insofern fragt der 40jährige sicher auch nach dem Sinn seiner Arbeit, aber er tut es anders als die Generation Y.

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