Generation Y

„Google, bitte stell mich ein!“

Die sechs lustigsten Bewerbungsvideos im Netz

Zusammengestellt und kommentiert von Maria Huber

Sie robben im grünen Latex-Ganzkörperanzug über den Rasen, posieren mit falschem Schnurrbart in Unterhose, oder präsentieren exorbitantes Haarwachstum: Wenn es um die Bewerbung für den Traumjob geht, lassen sich Kandidaten so einiges einfallen – und drehen die skurrilsten Bewerbungsvideos. Im besten Fall endet das amüsant, im schlechtesten ziemlich peinlich – doch ist trotzdem manchmal erfolgreich. Sehen Sie hier die lustigsten Bewerbungsvideos, die auch wertvolle Tipps für den eigenen Job-Clip nahelegen.

1. Die Schnurrbart-Nummer:
Matthew Epstein hat einen Traum: Er will bei Google arbeiten. Da normale Bewerbungen nichts gebracht haben, startet er kurzerhand eine You-Tube-Serie. Sinnstiftender Titel: „Google Please Hire Me“. In einer pompösen Villa mit antiken Möbeln, die er als „bescheiden“ bezeichnet, spricht er aus einem Sessel mit einem Glas Whiskey in der Hand zu seinem Wunsch-Arbeitgeber: „Google, bitte setzt euch. Ich will für euch arbeiten. Ich weiß, alles was ihr seht, ist ein Mann mit einem Schnauzbart. Aber ich bin mehr als ein Mann mit einem Schnauzbart: Ich bin ein Liebender und ein Produkt-Vermarkter.“ Mehrere Clips dreht Epstein, was genau der Schnauzbart soll, wird nicht so richtig klar – aber ist auch egal: Epstein hat einen Job gefunden – wenn auch nicht bei Google. Hier sehen Sie sein Video:

Wir lernen: Falsche Behaarung bringt uns dem Traumjob näher. Haben Sie noch die Winnetou-Perücke?

2. Die Bettel-Song-Nummer:
„Ellen, ich werde auch Mülleimer ausleeren!“ Erica Norris würde alles tun, um für die bekannte US-Moderatorin Ellen DeGeneres arbeiten zu dürfen: Gleich zwei Videos mit dem Titel „Ellen Please Hire Me“ stellte sie deshalb auf YouTube. Darin tut sie wirklich alles, um Aufmerksamkeit zu erregen: Für ein Bewerbungsvideo als Banker empfiehlt sich die Szene, in der sie in einem grünen Ganzkörperanzug aus Latex über den Rasen robbt, wohl eher weniger zur Nachahmung geeignet. Außerdem reitet sie auf einem Besen, erschreckt Leute, zeichnet ihr Idol Ellen. Und das Bitten, Betteln und Schleimen hat sich gelohnt: Ende Juli 2012 veröffentlichte Erica das Video, in ihrem LinkedIn-Profil ist zu sehen, dass sie ab November 2012 Produktionsassistentin bei der „Ellen DeGeneres Show“ war – aber nur acht Monate lang. Sehen Sie das Video hier:

Wir lernen: Grüne Latexanzüge bringen nur Zeitverträge ein.

3. Die Masche Pferdeflüsterer
Tiervideos funktionieren immer, hat sich wohl dieser schlaue Fuchs gedacht. Dabei hat er aber nicht bedacht, dass er sich zum Affen machen könnte. Stefan Wölcken, ebenfalls mit einer ganzen Serie an Bewerbungsvideos und dazugehöriger Homepage (http://www.stellt-mich-ein.de/), ist in einem seiner Clips aufs Pferd gekommen. Bezug zum gesuchten Job hat das „Howdy“-Video zwar überhaupt keinen, aber der lässt sich ja herstellen: „Zögern sie nicht, springen Sie auf, und reiten Sie los.“ Untermalt mit der grausamsten Country-Musik lässt das sicher jeden Personalmanager dahinschmelzen. Ob er sich selbst solche peinlichen Videos wünscht? Immerhin will auch Wölcken in die HR-Abteilung: „Ich suche einen Job. Übrigens gerne auch in der Personalabteilung, ich kann mit Menschen einfach besser als mit Tieren.“ Na dann: Hotte hü. Auf jeden Fall war er mit seiner Bewerbung erfolgreich, wie er auf seiner Homepage wissen lässt.

Hier geht es zum Video, das leider nicht per Youtube geteilt werden kann.

Wir lernen: Tierisch lustig ist anders.

4. Der Wort-Witzbold
Für welchen Job sich Eric Purdue da genau bewirbt, wird nicht klar, doch das Unternehmen sollte in jedem Fall Spaß verstehen. Denn um einen Fuß in die Tür zu bekommen, tritt er erstmal eine Tür ein. Wenn er sich einen Tee macht, ist er das „Tea“ in „Teamwork“. Zwischendurch bastelt er noch Scherenschnitte und telefoniert mit der Computermaus. Doch seine herausstechendste Fähigkeit sind seine Haare, die 4564-mal so schnell wachsen, wie bei einem normalen Menschen. Was das einem Unternehmen bringen kann, dazu hat er seine eigene Theorie: Sehen Sie sein Video:

Wir lernen: Weniger Wortwitz, ordentlicher Haarschnitt, dann klappt‘s auch mit dem Bewerbungsvideo.

5. Das süße Zeichentrick-Video
Einen ganzen Bewerbungs-Song mit dazu passendem Comic-Video produzierte Erin Michael Vondrak als Bewerbung bei der Computerspiel-Firma Valve. Mit süßem Stimmchen und putzigen Bildchen zur Stelle als Videospiel-Designerin? Dass fanden auch viele Kommentatoren auf YouTube befremdlich und Vondrak erhielt viele negative Kommentare. Dabei hatte sie selbst unter den Clip geschrieben: “Ich habe das Video gemacht, um mir die Zeit zu vertreiben, bis ich eine Reaktion auf meine richtige Bewerbung hatte. Es war das Ziel, dass es albern war.“ Sie wollte damit Leute zum Lachen bringen. Mit teilweise witzigen Zeichnungen und den Anmerkungen, man müsse sie einstellen, da sie keine Läuse und keinen Mundgeruch habe, hat sie das sicher auch bei einigen geschafft. Zum Bewerbungsgespräch wurde sie jedenfalls trotz – oder gerade wegen des Videos eingeladen, nach drei Runden ging es aber nicht weiter. Sehen Sie hier das Video:

Wir lernen: Einen laaaaangen Song über seine Bewerbung als Bürokaufmann zu singen, kann helfen, muss aber nicht.

6. Die Laber-Nummer
Nicht ganz so konkret bei einer speziellen Firma versuchte es Ian Benson mit seinem Video. Auch der Titel seiner Clips lässt dies schon vermuten: „Hollywood Please Hire Me“, heißt der. Klare Ansagen sollen bei der Bewerbung ja helfen, heißt es. Ob Benson diese Devise ein bisschen zu wörtlich nimmt, sei dahingestellt. Er lässt sich jedenfalls endlos darüber aus, was er sich von seinem zukünftigen Leben als Schauspieler erwartet: „Ich will reich und berühmt werden.“ So klar, so gut. Qualifikationen? Joa, ne, eher nicht. Muss aber auch nicht. „Alles, was man tun muss, ist sein Gesicht in die Kamera halten. Man kann andere berühmte Leute treffen und wird dafür bezahlt.“ Ja, ne, is klar. Zusammen mit der erbärmlichen Qualität des Videos, dem milchigen Bild und der zugemüllten Abstellkammer im Hintergrund ergibt der Clip eine grandiose Mischung. Wenigstens bewirbt er sich nicht als Kameramann. Doch Benson tut noch mehr für seinen Traum, er hilft sogar seinem künftigen Arbeitgeber auf die Sprünge, denn es sei ja nicht so schwer: „Sie rufen mich an, ich komme zu Ihnen und Sie geben mir eine Rolle in einem Film oder einer TV-Show.“ Wer hätte das gedacht. Obwohl er zusätzlich eine Petition gestartet hat (Make Ian Benson a Movie Star: http://www.change.org/petitions/make-ian-benson-a-movie-star) ist bis jetzt kein internationaler Durchbruch zu verzeichnen. Hier können Sie seine Schauspiel-Fähigkeiten selbst beurteilen:

Wir lernen: Zu wissen, was man will, macht noch kein Bewerbungsvideo. Und wenn man noch so sehr will.

1 Kommentare

Stefan Wölcken

04.07.2014

Da erscheine ich also während meines Urlaubs im XING Spielraum – welch eine Ehre.
Zu meinem Video ganz konkret: Ja, Frau Huber, ich wusste, dass ich mich mit dem Video auf dem Pferd zum Affen mache – das „Pferdeflüsterer“-Video zeigt das auch ganz deutlich, dass dies meine Intention war. Warum? Weil man über sich selbst lachen können muss.
Und weil ich bei keinem Unternehmen arbeiten wollte, dass nicht auch darüber lachen kann.

Es hat übrigens bundesweit genug Personalentscheidern (bis hin zu einigen Personalvorständen) gefallen. Ich kann also davon ausgehen, mein Humor ist nicht ganz so daneben.
Und warum ich auch bei den anderen Videobesprechungen das Gefühl habe, die Autorin mag es lieber klassisch langweilig, oder hat gar „Probleme“ mit solchen Bewerbungen oder Bewerbern, können wir ja auch gerne mal bei einem Kaffee klären …