Generation Y

Gehalt, Perspektiven, Zufriedenheit - welches Studium bringt den besten Job?

Worauf sollten Studienanfänger bei der Fächerwahl achten? Fällt die Entscheidung über den beruflichen Erfolg tatsächlich schon beim Einschreiben an der Uni? Fest steht: Wer nur aufs künftige Gehalt schielt, wird nicht zu den Besten gehören.

Von Peter Neitzsch

Wenn Politik und Wirtschaft das Lied vom Fachkräftemangel singen, dann meinen sie meist Ingenieure: „Für Elektrotechniker, Maschinenbauer und Chemieingenieure sind die Berufsaussichten ausgezeichnet“, sagt Lars Funk vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI). Weil der Arbeitsmarkt für Ingenieure derzeit so gut sei, sollten sich Studierende in Ruhe überlegen: „Wo will ich eigentlich hin?“

Mittelstand oder Dax-Konzern? Oder doch lieber in die Forschung? Rund 70.000 offene Stellen haben Ingenieure aktuell zur Auswahl. „In mittelständischen Unternehmen besteht die Möglichkeit, schnell Verantwortung für Projekte zu übernehmen“, sagt Funk. Hinzu komme oft ein direkter Draht zum Chef. Bei Großkonzernen seien die Arbeitsabläufe dagegen viel formaler: „Da ist man einer von vielen. Aber das ist natürlich auch eine Typfrage.“

In den sogenannten MINT-Berufen, also in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und vor allem Technik, bestehe eine hohe Nachfrage nach Absolventen, bestätigt Irene Seling von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). „Am stärksten gefragt sind Berufseinsteiger in der Metallverarbeitung und der Fahrzeugtechnik“, sagt die stellvertretende Leiterin der Abteilung Berufliche Bildung.

„Bei Ingenieuren herrscht schon jetzt quasi Vollbeschäftigung, dies wirkt sich natürlich auch auf die Bezahlung aus“, sagt Seling. Hochschulabsolventen im Ingenieursbereich können Funk zufolge mit einem Jahresgehalt zwischen 40.000 und 50.000 Euro brutto rechnen. Auch für Informatiker werden nach Angaben des Branchenverbands Bitkom Einstiegsgehälter von 40.000 Euro und mehr gezahlt. Rund 40.000 unbesetzte Stellen gibt es in der Branche derzeit.

Aber auch in anderen Bereichen wird Nachwuchs gesucht, beispielsweise im Gesundheitssektor: „Es heißt jetzt schon manchmal: Pflege ist das neue MINT“, so Seling. Neben Altenpflegern benötigt eine alternde Gesellschaft auch Medizintechniker, Pharmazeuten und auf die Gesundheitswirtschaft spezialisierte Betriebswirte. Selbst Ärzte sind mancherorts Mangelware: „Vor allem in ländlichen Regionen besteht ein großer Bedarf an Allgemeinmedizinern.“ Fachärzte in Großstädten gebe es dagegen viele.

„Festanstellungen direkt nach dem Studium sind seltener geworden“, sagt Absolventenforscher Karl-Heinz Minks vom Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW). Selbst bei Ingenieuren und Wirtschaftswissenschaftlern gebe es mitunter erstmal Zeit- und Leiharbeitsverträge. Das gehe aber vorüber: „Nach fünf Jahren beginnt die Konsolidierungsphase, spätestens nach zehn Jahren haben eigentlich alle Hochschulabsolventen eine unbefristete Festanstellung.“

Für Absolventen könne es anfangs durchaus interessant sein, in verschiedenen Firmen Berufserfahrung zu sammeln, so Minks. Auf diese Weise könnten Berufsanfänger Einblicke in unterschiedliche Bereiche erhalten. Über den erfolgreichen Berufsstart entscheidet dabei nicht allein die Wahl des Studienfachs, auch die richtigen Studentenjobs könnten beim Berufseinstieg helfen: „Man sollte nicht kellnern, sondern sich lieber – wenn möglich – mit einer fachnahen Tätigkeit, als Werksstudent oder Hilfswissenschaftler, etwas dazu verdienen.“

Zu lohnen scheint sich ein Studium in jedem Fall. „Hohe Arbeitslosenquoten gibt es eigentlich bei keiner Akademikergruppe“, sagt Irene Seling. Bei Geisteswissenschaftlern dauere der Berufseinstieg mitunter etwas länger, und die Einstiegsgehälter seien niedriger. Von 3500 Euro im Monat können Soziologen und Germanisten zu Beginn nur träumen. Doch die Expertin sagt auch: „Es gibt zwar derzeit viele Juristen auf dem Markt, aber wer Jura liebt und sich für diesen Beruf begeistert, der sollte das Fach dennoch studieren.“

Berufsanfängern rät Seling zu Selbstvertrauen: „Grundsätzlich sollten die eigenen Fähigkeiten und Talente bei der Berufswahl im Vordergrund stehen“, empfiehlt sie. „Wir wissen aus vielen Studien, dass ein hohes Gehalt für die Jobzufriedenheit nicht der wichtigste Faktor ist.“ Bedeutender seien Arbeitsplatzsicherheit und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die Möglichkeit, eigene Ideen in die Arbeit einzubringen. Ihr Fazit lautet daher: „Man kann nur wirklich gut und erfolgreich in einem Beruf sein, wenn man Spaß an der Sache hat.“

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