Gar nicht heftig: Das Medienverhalten der Generation Y

Trotz Buzzfeed und Co.: Wichtige Informationen suchen junge Berufstätige nach wie vor bei den traditionellen Medienmarken – hauptsächlich aber aus Mangel an Alternativen

Die im Netz sehr populären Nachrichtendienste wie das US-amerikanische „Buzzfeed“ oder das derzeit stark diskutierte heftig.co sind für die Mehrzahl der jungen Deutschen reine Unterhaltung. Für Informationen zu wichtigen tagesaktuellen oder gesellschaftspolitischen Themen nutzen Berufstätige in der Altersgruppe zwischen 23 und 35 Jahren nach wie vor allem die Angebote traditioneller Medienmarken.

HMS_Mediennutzung_Infografik_spielraumDas ist das Ergebnis einer repräsentativen Studie, die die Hamburg Media School (HMS) in Kooperation mit XING durchgeführt hat. Dabei war es durchaus erstaunlich, wie regelmäßig die klassischen Informationsmedien genutzt werden: Drei von vier Befragten besuchten während der zurückliegenden drei Tage mindestens ein Mal das Webangebot eines Printmediums, etwa süddeutsche.de oder Welt Online. Noch überraschender ist dieses: Knapp zwei Drittel lasen während der zurückliegenden drei Werktage (auch) in einer gedruckten Tageszeitung (überwiegend am Dienstag, Mittwoch oder Donnerstag) – wobei allerdings nur zehnte eine Zeitung täglich las.

Dabei ist es aber eine Art Hassliebe, die die jungen Bundesbürger, mit den etablierten Medienmarken verbindet. Denn zufrieden sind die Leser unter 30 Jahren mit ihrer Lektüre nicht – im Gegenteil. „Ein Großteil der besser gebildeten Berufstätigen fühlt sich durch die althergebrachten Angebote nicht mehr in seiner Lebens- und Interessenswelt abgebildet“, sagt Professor Michael Haller von der HMS. „Die Tageszeitungen können mit ihrer Themenauswahl und -umsetzung nicht überzeugen“, so Haller

Trotzdem – auch in Ermangelung von Alternativen – seien die bekannten Medien noch Anlaufpunkt Nummer 1 zu relevanten Themenbereichen: „Das ist einerseits ein Ergebnis von generationsübergreifender Mediensozialisation, man kann auch „familiäre Tradition“ sagen“, berichtet Haller, „auf der anderen Seite ein deutliches Zeichen für die Suche nach Sicherheiten und Einordnungen in einer sich sehr dynamisch ändernden Welt“.

Den derzeitigen Hype um neuartige Nachrichtenangebote wie Buzzfeed oder heftig.co, die in den sozialen Netzwerken riesige Erfolge feiern, wird von Medienforscher Haller relativiert. Zwar seien die Digital Natives, je jünger desto mehr, in den sozialen Netzwerken „zuhause“, und auch durchaus Fans der neuen Angebote – allerdings sei ihre tatsächliche Bedeutung viel geringer als oft angenommen: „Klassische Nachrichten – an denen durchaus großes Interesse besteht – holt sich diese Generation meistens noch woanders.

Allerdings seien auch gerade in dieser Hinsicht markante Unterschiede in den Altersgruppen, der formalen Bildung und möglicherweise auch zwischen Stadt und Land vorhanden: Je älter und je besser ausgebildet, desto mehr werden die Primärmedien genutzt.


Die repräsentative Studie „Medienwandel – Wertewandel: Was wird aus den Digital Natives?“ wurde im April 2014 von der Hamburg Media School in Zusammenarbeit mit XING unter 1.995 23-bis 35-jährigen deutschen Berufstätigen (formale Bildung: mindestens mittlere Reife) im Rahmen einer Online-Befragung durchgeführt.

Weitere Erhebungswellen des Projekts beschäftigen sich mit dem Verhältnis der Digital Natives zur Europäischen Union. Lesen Sie hier, warum die jungen Berufstätigen in Deutschland der Europa-Idee mehrheitlich positiv gegenüberstehen und wie sie den Einfluss der EU-Gesetzgebung auf ihren Lebensalltag einschätzen.

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