Generation Y

Die Do’s und Don'ts im Bewerbungsgespräch

HR-Experte Stephan Dahrendorf

HR-Experte Stephan Dahrendorf

Was junge Jobsucher beim Termin mit dem Personalchef tun sollten – und was besser nicht.

Die Hierarchien? Sollen natürlich flach sein. Die Kleidung? Locker. Die Work-Life-Balance? Ausgewogen. Die Generation Y ist anspruchsvoll. Die Bewerber, die ihr angehören, wissen, was sie wollen. Da die Männer und Frauen „Y“ auch gut ausgebildet sind, können sie sich die Jobs oft aussuchen. Doch darf man deshalb in Sneakers zum Bewerbungsgespräch kommen und erst mal nach dem Sabbatical fragen? Stephan Dahrendorf ist ehemaliger Personalchef von XING und heute Chef bei Inplace Personalmanagement: Er weiß, was die Generation Y beim Bewerbungsgespräch darf – und welche Fettnäpfchen sie besser elegant umschiffen sollte.

Die Do’s: Das geht auf jeden Fall!

Nach Home-Office fragen
„Kann ich denn auch von zu Hause aus arbeiten?“ Diese Frage müssen heute viele Personalmanager beantworten – auch wenn sie sie selbst vor zehn Jahren niemals gestellt hätten. „Heutzutage darf man so etwas fragen, ja, man sollte es sogar – auch im ersten Bewerbungsgespräch“, sagt Stephan Dahrendorf. Dabei macht aber der Ton die Musik: Man muss es zur eigenen Information erfragen, es darf nicht so klingen, als stelle man eine Forderung. „Sehen Sie es so: Jede Seite möchte in dem Gespräch Informationen sammeln und sich so in die Lage versetzen, eine gute Entscheidung zu fällen.“ Und nach der Information Home-Office dürfen Sie definitiv fragen.

Nach einem Sabbatical fragen
Kritischer scheint es schon, gleich beim ersten Treffen nach einem Jahr Auszeit zu fragen. Doch auch das ist erlaubt – wenn man nicht gleich zu Gesprächsbeginn mit der Tür ins Haus fällt. „Selbst junge und sehr offene Unternehmen finden ja schon überwiegend, dass man nicht zwingend mit einem Jahr Urlaub in den Job starten muss“, sagt Dahrendorf. Wenn man es aber – wie beim Home-Office – nicht als Forderung formuliert, ist es ebenfalls absolut möglich.

Nach freien Zeiten für Kinder/Familie fragen
Sie sind jung, gebildet, motiviert und legen Wert auf ihre Freizeit – doch auch Frauen und Männer aus der Generation Y haben oft schon Kinder, was für sie weitere Fragen nach möglichen Freiheiten nötig macht. Jederzeit kann man fragen, ob man sich die Freizeit so einteilen kann, dass man auch mal spontan ein Kind abholen kann. Personalexperte Dahrendorf rät sogar: „Bringen Sie das Gespräch so schnell wie möglich auf eine private Ebene, indem Sie von ihren Kindern erzählen. Das bringt Sie raus aus der formalen Bewerbungssituation, rein in ein Gespräch auf Augenhöhe.“ Kinder und die Freiheiten, die sie erfordern, gehören also unbedingt rein ins Bewerbungsgespräch.

Smartphone/Internet im Büro nutzen
Morgens erst mal die Nachrichtenseiten checken, dann Facebook updaten und nachmittags mit den Freunden das abendliche Treffen bequatschen. Gerade für Frauen und Männer aus der Generation Y verschwimmt Beruf und Privatleben immer mehr – und während der Arbeitszeit Smartphone und Internet zu benutzen, gehört zur Selbstverständlichkeit. Dass man das im neuen Job beibehalten will, ist legitim, dass man das im Gespräch sagt, auch. Für Dahrendorf ist es sogar zwingend nötig: „Schließlich gibt es auch Firmen, die Handy-, Internetnutzung und private Telefonate während der Arbeit verbieten, deshalb muss man da auf jeden Fall über seine Wünsche sprechen – so wissen beide, woran sie sind.“

Die Don’ts: Das geht gar nicht!

Legere Kleidung beim Gespräch
So locker und leger die Generation Y auftritt: In Sneakers, Jeans und T-Shirt zum Bewerbungsgespräch geht auf keinen Fall. Bei den meisten Stellen sollten Bewerber mit solch einem Look nicht aufkreuzen – „einzige Ausnahme ist vielleicht das Start-up Unternehmen in Kreuzberg, aber wer sich da bewirbt, hat sowieso meistens nichts anderes im Schrank“, so Dahrendorf. Generell kommt der Dresscode immer aufs Unternehmen an, bei der Bank muss es etwas schicker sein, als beim digitalen Unternehmen. „Ich würde sagen: Keine Krawatte, wenn man sich darin nicht wohl fühlt.“ Auch einen Tipp bei Unsicherheiten in der Klamottenfrage hat Dahrendorf noch. Man sollte sich erkundigen, was die Leute in dem Unternehmen normal tragen und entscheidet sich dann für einen Tick mehr als den Standard: „Man muss ja noch als Bewerber erkennbar bleiben.“

Privates im Lebenslauf
Mein Papa ist Chefarzt, meine Mutter ist Aufsichtsrätin: „Die Berufe der Eltern und was die gelernt haben, haben in den Lebensläufen der Generation Y nichts verloren“, so Dahrendorf. Wie viel Privates im Lebenslauf steht, ob man verheiratet ist oder Kinder hat, muss dagegen jeder selbst entscheiden. Dahrendorf rät jedoch eher davon ab, weil man mit jeder Information mehr ein potentielles Risiko eingeht. Sparsam mit privaten Informationen, aber aussagekräftig mit fachlichen Qualifikationen, sollte eher das Motto sein. Zusätzlich sollte man dann lieber statt der familiären Verhältnisse ein Projekt vorstellen, für das man sich total begeistert hat – ob es nun die Weltreise oder das Schulfest ist. „Wenn jemand einmal für ein Thema richtig gebrannt hat, kann er auch für meines brennen“, so Dahrendorf.

Unternehmensstruktur in Frage stellen
Generation Y’ler mögen keine starren und steilen Hierarchien, die Arbeit in Teams wird von vielen bevorzugt. Dennoch sollte man das im Bewerbungsgespräch eher vorsichtig oder gar nicht anbringen. Auch Dahrendorf rät, beim ersten Treffen nicht gleich die Unternehmensstruktur in Frage zu stellen: „Da kann das Unternehmen so sehr Start-up sein, wie es will, jeder hat ein ‚Oben‘ und ein ‚Unten‘, da können Sie nicht als Bewerber die Anarchie ausrufen.“ Um für sich selbst auszuloten, ob einem die Hierarchieverhältnisse des potentiellen neuen Arbeitgebers gefallen, kann man besser vorsichtig danach fragen und ausloten, ob es Beteiligungsmöglichkeiten, offene Türen oder Teambüros und Mitarbeiterbefragungen gibt.

Zu viel Selbstbewusstsein zeigen
Gut gebildet hat die Generation Y oft mehr als ein Job-Angebot. Dennoch sollte man im Bewerbungsgespräch nicht mit zu großem Ego und Selbstvertrauen auftreten. „Selbst wenn man sich letztlich entscheidet, nicht da zu arbeiten: Die Welt ist klein, die Branchen überschaubar – verhalten Sie sich so, dass Sie trotzdem Ihr Netzwerk erweitern“, rät Dahrendorf. Genauso unpassend wie Einschleimen beim Gegenüber empfindet Dahrendorf „erkennbare Unbescheidenheit“. Man trifft sich immer zweimal.

Redaktion: Maria Huber

4 Kommentare

Henning Hucke

05.06.2014

Oh Gott! Noch ein „HR-Experte“, der mit seiner Expertise in Zeiten des Wandels etwas zementiert, was mindestens hinterfragbar ist…

Bernd Lynen

11.08.2014

Sehr geehrter Herr Dahrendorf,

hier an dieser Stelle beschreiben Sie nur die eine Seite eines Berwerbungsgespräches. Viel mehr interessiert doch, wie sich Unternehmen präsentieren in einem solchen Berwerbungsgespräch. Da gibt es sicherlich auch einige Do’s und Don’ts – die sind mit Sicherheit auch mal hilfreich. Stellenanzeigen lesen sich immer wie „geschnitten Brot“. Die Realität sieht oftmals anders aus. So habe ich es oft genug erlebt.
Beste Grüße
Bernd Lynen

Heike

21.08.2014

Sehr geehrter Herr Dahrendorf,
genauso interessant würde ich es jetzt finden, die Do´s und Don´ts von Unternehmen gegenüber Bewerbern zu erfahren. Als Bewerber bekommt man doch wahrlich genügend Vorschläge, was man soll und nicht soll. Aber Unternehmen hingegen dürfen sich in Gesprächen sehr viel mehr – wenn nicht sogar alles erlauben! Ich selbst (Ende 30, sehr gut ausgebildet mit Studium + Berufserfahrung Marketing/Sales, keine Kinder) war vor kurzem auf Jobsuche. Was ich mich da – bereits im Erstgespräch – fragen lassen musst war unglaublich: von Klassikern wie „wie sieht denn ihre Familienplanung aus“ bis hin zu „rechnen Sie uns doch mal einen Dreisatz vor – wissen Sie überhaupt wie das geht?“ und „spielen Sie uns das doch mal als Pantomime vor“. Und das sind nur einige Highlights!!!

Wäre toll, wenn Sie wie gesagt dazu auch einen Artikel schreiben, wie Unternehmen sich doch gegenüber protentiellen Mitarbeitern verhalten sollten.

Beste Grüße
HS

Daniela

11.12.2015

Ohja, was Arbeitgeber so versprechen und wie sich gegenüber ihren Angestellten verhalten. Auf jeden Fall sind Sie keine VORBILDER.