New Work

"Manifest zur neuen Arbeit": Microsofts Bekenntnis zum New Work

„Wir haben keine Lust mehr auf Arbeiten von gestern.“ „Wir wollen keine 9to5 Jobs – aber auch Zeit für unser Familien. „Wir wollen nicht länger am Schreibtisch festgehalten werden.“

Offensiv und selbstbewusst kommt es das daher, das „Manifest für ein neues Arbeiten“ – eine Deklaration (PDF-Download), die sich für eine vollkommen veränderte Arbeitskultur für Wissensarbeiter einsetzen will. Absender der Botschaft ist – auf den ersten Blick etwas überraschend – Microsoft, das die Studie in den vergangenen Wochen im Rahmen diverser Veranstaltungen vorstellte und diskutieren ließ, so unter anderem auch auf der Digitalkonferenz re:publica.

Unter dem Motto: „Sie nannten es Arbeit – für uns ist es unser Leben“ formulieren dort laut eigener Aussage Wissensarbeiter wie etwa „Maschinenbau-Ingenieure oder Verfahrenstechniker, Rechnungswesenexperten oder Marketingprofis“ teils radikale Thesen zur Veränderung ihrer Jobwelt. Die zentralen Forderungen sind:

• ein Recht auf Arbeit, so wie wir sie wollen
• ein Recht auf selbstbestimmte Freizeit
• die Abschaffung von künstlichen Hierarchien
• Strukturen, in denen wir vertrauensvoll, frei und produktiv kommunizieren
können
• Verantwortung für uns selbst und für unsere Arbeit

Das in Zusammenarbeit mit Experten wie Zeitmanagement-Coach Lothar Seiwert, bekannten Bloggern wie Ninia Binias und der Beratungsfirma McKinsey entstandene Dokument kommt mit recht euphorischem Wortgeklingel, aber auch einigen relativierenden Gedanken daher. Zum Beispiel der Einsicht, dass „nicht jeder sofort etwas mit den Möglichkeiten des neuen Arbeit anfangen könne“, darum „wissen wir, dass wir uns auch selber ändern müssen.“

„Herausgeber“ der Microsoft-Schrift ist Thorsten Hübschen, Leiter der deutschen Office-Abteilung des Techkonzerns. Die Form eines Grundsatzdokuments habe man dabei bewusst „augenzwinkernd“ gewählt, erläuterte Hübschen, der Konzern sehe sich nicht als Gewerkschaft für Wissensarbeiter in Deutschland. Aber das Anliegen hinter dem „Manifest“ sei natürlich sehr ernst gemeint. So verbinde er mit der Initiative die Hoffnung, eine neue Geisteshaltung in die oft sehr technokratische Diskussion über die Arbeit der Zukunft zu bekommen. Soziale Fähigkeiten und Bedürfnisse sollten sich moderner technischer Mittel bedienen, und sich nicht von ihnen drangsalieren lassen, so Hübschen.

Für Großkonzerne wie Microsoft gehe es darum, Start-up- und New-Work-Gedanken in ein 150.000 Mitarbeiter großes Unternehmen zu bekommen. So habe man ja bereits vor einigen Jahren einen „Kulturwandel“ in der Diskussion um die Heimarbeit durchgeführt. Moderne Technologien wie etwa Cloud-Dienste ermöglichten es nun immer mehr, von Raum und Zeit völlig unabhängige Gruppen von Menschen zu organisieren, die sehr selbstbestimmt und „frei schwebend“ auch an größeren Projekten arbeiten. Ganz im Sinne des New Work sei auch das Manifest nie auf Endgültigkeit festgelegt, sondern einem laufenden Prozess und ständiger Diskussion unterworfen. Man werde die Auseinandersetzung darüber vor allem im Netz weiter fortführen, etwa unter dem Hashtag #einfachmachen auf Twitter.

Quasi als Zugabe zum Manifest veröffentlichte Microsoft zeitgleich, gemeinsam mit dem Autoren Markus Albers, die „33 Regeln erfolgreicher digitaler Pioniere“. Hier werden anhand sehr anschaulicher Beispiele die gravierenden Veränderungen der Arbeitswelt deutlich, die sich bereit jetzt innerhalb weniger Jahre vollzogen haben. Initiativen wie Microsofts augenzwinkerndes, aber ernst gemeintes Manifest könnte die Dinge weiter beschleunigen.

(Foto oben: Arbeiteten am Microsoft-Manifest mit: Sebastian Muschter (McKinsey), Thorsten Hübschen (Microsoft Deutschland),
Autor Lothar Seiwert, Bloggerin Ninia Binias,
Netzexperte Richard Gutjahr, Autor Markus Albers (v.l.n.r., Foto: Microsoft)

1 Kommentare

Franc Bacon

12.05.2015

Typisch Microsoft: Man liefert eine 70% Lösung und um den Rest sollen sich die anderen kümmern. Dass aber in den fehlenden 30% der Teufel steckt und mehrere (derzeit noch) unlösbare Probleme sollte nicht verschwiegen werden – tun sie aber.
Gute Idee, schwach umgesetzt – schade eigentlich. Und ich werde nicht der einzige sein, der das so sieht.