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Teilzeit-Chefs: Keine Besprechung nach 17 Uhr

Angebote für Teilzeitarbeit richten sich meist nicht an Topmanager. Der IT-Dienstleister Datev hat ein Programm speziell für Führungskräfte aufgelegt. Xing spielraum sprach mit Projektleiterin Claudia Lazai über ihre Erfahrungen.

 

Spielraum: Für Datev arbeiten 6500 Menschen. Nun machen Sie auch den 250 Führungskräften Angebote für Teilzeitarbeit. Stehen Aufwand und Nutzen da nicht in einem schlechten Verhältnis?

Claudia Lazai: Ganz und gar nicht. In der IT-Branche ist es wichtig, Mitarbeiter an sich zu binden, um von ihrer Erfahrung zu profitieren. Wir wollen vermeiden, dass zum Beispiel Mütter oder Väter das Unternehmen verlassen, weil sie auf andere Weise Arbeit und Privatleben nicht in Einklang bringen können.

Besteht denn bei jungen, ehrgeizigen Führungskräften überhaupt Interesse an solchen Regelungen?

Ja, das belegen die Zahlen. Vor vier Jahren gab es bei Datev gerade einmal drei Führungskräfte, die Teilzeit gearbeitet haben. Heute sind es 20, darunter fünf Männer.

Ein Argument gegen Teilzeitarbeit lautet, dass die Mitarbeiter immer dann fehlen, wenn sie kurzfristig gebraucht werden.

Das Unternehmen muss sich natürlich darauf einstellen. Bei uns finden etwa keine Besprechungen mehr nach 17 Uhr statt. Aber auch bei den in Teilzeit arbeitenden Vorgesetzten ist Flexibilität nötig. Sie müssen auch mal bereit sein, einen freien Tag zu verlegen, oder im Notfall erreichbar sein.

Wie beraten Sie Ihre Führungskräfte über die Möglichkeiten der Teilzeitarbeit?

Über das Intranet. Unsere Führungskräfte beraten sich aber auch untereinander. Mitarbeiterinnen von uns haben ein Frauennetzwerk gegründet. Einmal pro Quartal werden in der Zentrale für alle weiblichen Führungskräfte sogenannte Netzwerktreffen rund um die Themen Teilzeit und Karriere

Man denkt immer, dass in IT-Unternehmen ohnehin kaum Frauen arbeiten.

Auf Datev trifft das nicht zu. Knapp 42 Prozent unserer Belegschaft sind weiblich.

Das Interview führte Heimo Fischer

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