New Work

10 Dinge, mit denen Sie eine Headhunterin beeindrucken

Headhunter können auch in Zeiten des „New Work“ der Schlüssel zum Erfolg sein. Doch Vorsicht: Die Job-Agenten hören ganz genau hin, wenn sie die perfekte Besetzung für eine Top-Position suchen. Womit Sie Eindruck machen können und welche Fettnäpfchen Sie auf jeden Fall vermeiden sollten, erklärt Sabine Hansen. Seit mehr als zwölf Jahren arbeitet sie in der Personalberatung und berät derzeit als Geschäftsführerin bei Amrop Delta viele Unternehmen bei der Besetzung von Spitzenpositionen. Hier sind Ihre zehn wichtigsten Tipps.

Perfekter Lebenslauf
Wenn auf den ersten Blick alle Punkte stimmen, werden Personalberater neugierig: Ein Studium in Rekordzeit, Auslandspraktika, mehrere Sprachen und praktische Erfahrung in renommierten Unternehmen – wer dabei noch Anfang oder Mitte 30 ist, hat die Aufmerksamkeit des Headhunters sicher. „Wenn ich so einen Lebenslauf auf der Überholspur sehe, da horche ich schon auf“, sagt Sabine Hansen. „Sehr aussagekräftig ist auch, wenn ein Kandidat schon während des Studiums von einem Unternehmen gefördert wird oder ein renommiertes Stipendium hat.“ Wer sich so von der breiten Masse abhebt und alles schnell durchgezogen hat, kann sich sogar langfristig für die Top-Stelle in Position bringen: „Jeder Personalberater hat einen Pool von interessanten Kandidaten im Hinterkopf.“

Auslandserfahrung – aber die richtige!
Austausch-Semester in Spanien und Praktikum in Asien? Damit allein kann man heute keinen Headhunter mehr beeindrucken. „China und Indien sind gar nicht mehr so sehr gefragt, sehr aktuell wird gerade Zentralafrika, beispielsweise ein Land wie Angola“, sagt Hansen. Wer dort Erfahrungen gesammelt hat, kann interessant für Unternehmen werden, die bald in diesem Bereich arbeiten wollen. Die Telekommunikationsbranche beispielsweise sucht gerade intensiv Leute, die diese Region kennen: Da die Menschen dort nie klassische Bank-Konten im großen Stil haben werden, ist es ein enormer Wachstumsmarkt für Online-Bezahlmodelle über das Handy.

Generalist statt Spezialist
Lassen Sie den Tunnelblick hinter sich! „Ein interessanter Kandidat ist, wer beispielsweise im Vertrieb startet und dann mal in den Bereich Finance wechselt: „Er stellt unter Beweis, dass er flexibel ist und nicht nur in seiner Ursprungsdisziplin arbeiten kann“, erläutert Sabine Hansen. Gerade in der jungen Bevölkerung Asiens ist das Generalistenwissen bereits viel stärker verbreitet. Spezialisierungen wie eine Promotion sind gerade in Deutschland noch gefragt, doch wer international arbeiten will, muss sich breiter aufstellen. „Besonders die aufstrebenden Märkte in der Zweiten Welt stellen an Kandidaten die Anforderung, dass alle Bereiche des Unternehmens verstanden werden.“ Wer also beweist, dass er auch über den eigenen Tellerrand hinausschaut, landet beim Headhunter auf der Kandidatenliste.

Gesellschaftliches Engagement
Ist Karneval gut für die Karriere? Für Sabine Hansen sind gerade Kandidaten attraktiv, die sich gesellschaftlich engagieren. „Man muss es so sehen: Menschen, die sich zum Beispiel im Karneval einbringen, haben ein gutes soziales Netzwerk und kommunikative Fähigkeiten.“ Halten Sie im Gespräch mit dem Personalberater also nicht mit Ihrem Hobby hinterm Berg – auch wenn es vielleicht außergewöhnlich ist. „Allein bei den Lions oder im Marketing-Club zu sein, reicht mir nicht“, sagt Hansen. Vor allem soziales Engagement und Mentorenprogramme machen Arbeitskräfte interessant. „Wer sein Wissen zur Verfügung stellt und das nicht für sich behält, ist interessant: Er signalisiert, dass er etwas zu sagen hat und sich engagiert.“ Auch Hobbys oder Sportarten, die besonders viel Team-Play erfordern, lassen den Headhunter aufhorchen.

Gescheiterte Pläne
Machen Sie ihr Scheitern zum Erfolg! Gerade, wer schon einmal erfolglos eine Unternehmensgründung versucht hat, kann damit beim Headhunter punkten: „Isoliert betrachtet ist es für mich kein Scheitern, sondern es macht die Person eckig und das ist interessant. Was hat der Mensch daraus gelernt und geschlussfolgert? Das Scheitern kann ihn enorm weitergebracht haben“, erklärt Sabine Hansen. Wer schon eine Gründung versucht hat, hat Mut bewiesen und weiß besser, wo seine Stärken und Schwächen liegen. Verschweigen Sie ein Scheitern nicht, sondern heben Sie den Lerneffekt hervor. Gerade, wer international arbeiten will, darf beruhigt sein: „Nur im deutschsprachigen Raum hat das Scheitern mit einer Gründung diesen negativen Beigeschmack“, sagt Hansen.

Work-Life-Balance
Die Zeit der reinen Karrieristen ist vorbei. „Wenn jemand sagt: Ich bin bereit zu allem, ich mache alles für die Karriere, macht ihn das nicht mehr besonders interessant“, sagt Sabine Hansen. Wer sich interessiert an der angebotenen Stelle zeigt, aber zu bedenken gibt, dass er das erst mit einem Partner oder der Familie abstecken muss, beweist Reife und Verantwortungsfühl. „Gerade die Leute, die in ein Gespräch reingehen und sofort alles toll finden, machen dann oft kurz vor der Unterschrift einen Rückzieher – das bringt dann keinem etwas“, sagt die Headhunterin. Auch wer bewusst eine Auszeit genommen hat, kann das im Gespräch mit dem Personalberater positiv nutzen: „Die Mutter, die mal einen Schritt zurücktritt, der Manager, der die Karriere für den dementen Vater zurückstellt – wenn diese Leute wieder einsteigen, bewundere ich das Verantwortungsgefühl und die innere Stärke, nicht immer im Rampenlicht stehen zu wollen“, so Hansen. Wer weiß, was er will und offen mit diesem Schritt umgeht, hat die besten Chancen für den erfolgreichen Wiedereinstieg.

Risikofreude
Wer auf einen mutigen Wechsel verweisen kann, macht Eindruck. Ganz neue Spielregeln in einer neuen Branche oder einer unbekannten Position – wer das erfolgreich gemeistert hat, sollte das herausstellen. Zusätzlich muss er dann erläutern, wie er das konkret gemacht hat, denn das zeigt dem Headhunter, ob der Kandidat so etwas wieder schaffen würde. „Wer dafür nicht seine Machtposition ausgenutzt hat, sondern sich selbst eine Probezeit gegeben hat und sich hinten im Team angestellt hat, beweist Mut“, so Sabine Hansen. Die meisten Führungskräfte scheitern nicht, weil sie ihre Leistung nicht abrufen können, sondern weil sie nicht „ankommen“ und kein Teil des Netzwerks werden. Wer das schaffen will, muss sich erst einmal zurücknehmen können, auch als Chef. Diesen Mut belohnt ein Headhunter bei der nächsthöheren Karrierestufe.

Kommunikationsstrategie
Headhunter suchen immer nach Anhaltspunkten, um die Kommunikationsfähigkeiten und -strategien des Kandidaten herauszufinden. Allgemeinplätze wie „Ich bin sehr teamfähig“ oder „Meine größte Schwäche ist meine Ungeduld“ sind da Gesprächskiller. Erzählen Sie lieber von ganz konkreten Situationen: „Es ist wichtig, zu erklären, wie man in unbekannten Situationen oder einem unbekannten Umfeld reagiert und eine schwierige Situation gelöst hat“, so Hansen. Auch hier gilt: Halten Sie mit Ihrem Scheitern nicht hinterm Berg. Wer schon einen Misserfolg erlebt hat und analytisch erfasst hat, was er falsch gemacht hat und beim nächsten Mal besser machen kann, beeindruckt den Headhunter.

Flexibilität
Bedingungsloser Umzug ohne Bedenkzeit und ohne Rücksprache mit der Familie ist zwar nicht mehr gefordert, doch gerade bei Top-Positionen ist ein Wechsel der Stadt oft nicht zu vermeiden. Je höher die Position ist, desto leichter ist es aber, nicht ständig am Arbeitsort wohnen zu müssen oder Homeoffice zu verwirklichen. Wer in einem Gespräch diese Aspekte anspricht, macht sich heute nicht mehr automatisch unmöglich. „Wichtig ist für mich, dass ich merke, dass jemand die geistige Offenheit besitzt, zu sagen: Ich kann mir das vorstellen“, sagt Sabine Hansen. Wer sich Gedanken macht und einen Umzug oder flexible Arbeitszeitmodelle nicht kategorisch ausschließt, punktet.

Realistische Selbsteinschätzung
Fixieren Sie sich im Gespräch mit dem Headhunter nicht nur darauf, Ihre Erfolge anzupreisen. „Wenn jemand minutenlang erklärt, wie toll und renommiert sein MBA-Abschluss ist, bin ich schnell genervt“, sagt Headhunterin Hansen. Allein die Qualifikation ist für den Personalberater kein Garant dafür, dass jemand erfolgreich ist. Wer nur erzählt, was er alles Tolles kann und seine Erfolge anpreist, sich aber nicht eingesteht, dass er auch Niederlagen erlebt hat, wirkt schnell unglaubwürdig. „Seien Sie lieber Sie selbst, dann bekommen Sie auch den Job, der wirklich zu Ihnen passt, und der Sie glücklich macht“, sagt Hansen. Weil man mit der Arbeit viel Lebenszeit verbringt und jeder Job Stresspotential birgt, ist Ehrlichkeit im Headhunter-Gespräch gleichzeitig erfolgreiche Burn-Out-Prävention.

Aufgezeichnet von Maria Huber

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